Der Schleichgraben (II)

Nach­dem die Wan­de­rung zunächst ent­lang des Pet­zer­berg­gra­bens und danach des Neu­koll­mer Gra­bens erfolg­te, ging es ab dem ehe­ma­li­gen Schwimm­bad Lau­ta am Schleich­gra­ben wei­ter. Zunächst wur­den zahl­rei­che Foto­auf­nah­men auf dem der Natur zurück­ge­ge­be­nen Schwimm­bad-Are­al gemacht und in des­sen Umfeld. Die Aus­wer­tung wird in einem geson­der­ten Bei­trag erfolgen.

Die Eiche war (für mich) das Objekt, um das Aus­se­hen des Schwimm­ba­des nach­zu­voll­zie­hen. Auf der Grün­flä­che unter der Eiche saßen wir einst auf der Bank oder lagen auf Decken. Rechts davor waren die Schwimm­be­cken und links der Nichtschwimmerteich.

Gemäch­lich fließt der Schleich­gra­ben an den Über­res­ten des Schwimm­ba­des vor­bei, unter­quert den Wal­des­ruh­weg — kurz davor befin­det sich das Rohr durch das das Was­ser vom Schwimm­bad wie­der zurück in den Gra­ben gelei­tet wur­de — , die Bahn­li­nie Fal­ken­berg — Hor­ka und die B 96.

Nicht so rich­tig deu­ten ließ sich das Bild mit dem Was­ser­mann und dem Fisch auf dem Gelän­der der 2015 am Wal­des­ruh­weg gebau­ten Brücke.

Bringt er einen Fisch oder nimmt er ihn mit?
Gab es jemals Fische im Schleich­gra­ben? Ver­mut­lich, solan­ge er direkt mit der Schwar­zen Els­ter ver­bun­den war und noch nicht als Ablei­ter von Gru­ben- und Indus­trie­ab­wäs­sern die­nen muss­te. Viel­eicht hat­ten klei­ne Fisch­po­pu­la­tio­nen im Ober­lauf des Schleich­gra­bens über­lebt. Aber spä­tes­tens mit der Ver­un­rei­ni­gung von Grund- und Ober­flä­chen­was­ser war es vor­bei mit Fischen, Kreb­sen und Amphi­bi­en. Nur der Mensch könn­te heu­te etwas dar­an ändern. Die Natur ver­mag es allein bestimmt nicht zu richten.

Ab dem Aus­lauf hin­ter der B 96 beein­flus­sen aus dem Gebiet der Hoch­kip­pe ein­flie­ßen­de Rinn­sa­le Qua­li­tät und Far­be des Schleich­gra­bens. Lässt man dies außer Acht, fühlt man sich zeit­wei­se wie im Spreewald.

Am lin­ken Ufer des Schleich­gra­bens erhebt sich im Hin­ter­grund die Hoch­kip­pe. Rechts ste­hen Ein­fa­mi­li­en-Häu­ser. Sie gehö­ren zur Stra­ße Am Wie­sen­grund in Laubusch-Siedlung.

Wenig spä­ter quert der Schleich­gra­ben die Gar­ten­stra­ße und fließt an der Klein­gar­ten­an­la­ge “An der Hoch­kip­pe” vorbei.

Nun wur­de es wirk­lich schwer, immer am Was­ser ent­lang zu kom­men. Ich wähl­te die rech­te Sei­te, was sich zunächst als rich­tig anfühl­te, dann aber als Feh­ler her­aus­stell­te.
Hin­ter den Klein­gär­ten waren — ver­mut­lich als Bar­rie­re gegen die Wild­schwei­ne — soviel Schnitt­holz und Gar­ten­ab­fäl­le abge­legt wor­den, dass ein Durch­kom­men kaum mög­lich war. Ich quäl­te mich direkt am Ufer ent­lang, spiel­te kurz­zei­tig mit dem Gedan­ken, über den Bach auf die ande­re Sei­te zu sprin­gen, und wäre fast an im Gestrüpp gespann­ten Sta­chel­dräh­ten verendet.

Das in der Fer­ne zu sehen­de Schul­ge­bäu­de zeig­te mir an, dass ich in Kür­ze die Haupt­stra­ße errei­chen wür­de. Zügi­gen Schrit­tes ent­lang des nun gerad­li­nig ver­lau­fen­den Schleich­gra­bens erreich­te ich das klei­ne Wäld­chen an der Teich­stra­ße.
Seit mei­nem Start waren fast vier Stun­den vergangen.

Das Was­ser sah im Bereich der Teich­stra­ße wie­der sehr klar aus.

Teich­stra­ße und Müh­len­stra­ße — zwei Stra­ßen­na­men, die auf Ver­gan­ge­nes hin­wei­sen. Auf der Inter­net­sei­te des Hei­mat­ver­eins Lau­busch heißt es:

Für den zwei­ten Orts­teil, die Berg­manns­heim­stät­ten, wur­den die Flur­stü­cke von Schwarz­kollm erwor­ben. Hier exis­tier­ten bereits die Schnei­de­müh­le, eine grö­ße­re Bau­ern­wirt­schaft und zwei klei­ne­re Wohn­häu­ser. Die Betriebs­lei­tung rich­te­te dort ihren Hof­be­trieb, vor­wie­gend mit Pfer­de­fuhr­wer­ken ein. In den Berg­manns­heim­stät­ten ent­stan­den 1922/23 so die Mühlen‑, Teich‑, Berg­manns- und Ring­stra­ße. 1928 bil­de­te das Gemein­de­amt den Abschluß des Auf­baus des zwei­ten Ortsteiles.

Auf der Auto­kar­te von 1931 sind die Schnei­de­müh­le und die Tei­che erfasst.

Ob das direkt an der Stra­ße, hin­ter der 2009 erneu­er­ten Brü­cke, ste­hen­de Gebäu­de zur eins­ti­gen Schnei­de­müh­le gehör­te, konn­te ich nur ahnen. Aber viel­leicht kann der Hei­mat­ver­ein Lau­busch helfen.

Wei­ter führ­te der Weg — mit Blick auf die Klein­gär­ten — bis zur Brü­cke an der August-Bebel-Straße.

Hin­ter der Brü­cke ent­schloss ich mich, auf die Sei­te der Hoch­kip­pe zu wech­seln. Freund­li­che Lau­bu­scher hat­ten mir mit­ge­teilt, dass ich auf der rech­ten Sei­te nicht mehr wei­ter­kom­men würde.

Der auf­ge­schüt­te­te Damm für die Koh­le­bahn zum Kraft­werk Lau­ta bzw. zum Bahn­hof Schwarz­kollm war erreicht. Als Kind und Jugend­li­cher ging Jahr­zehn­te zuvor ent­lang des Damms auf direk­tem Weg von Lau­ta nach Lau­busch. Ganz beson­ders ide­al (spä­ter als Erwach­se­ner) nach einer feucht-fröh­li­chen Fei­er: kei­ne Poli­zei, kein Ver­kehr, nur Natur. Wer umfiel, blieb lie­gen. Stör­te kei­nen!
Der Schleich­gra­ben fließt durch den Damm hindurch.

Dann ist es vor­bei, mit dem bis dahin weit­ge­hend kla­ren Was­ser. Ob sich hin­ter dem Zaun links eine ers­te Klär­an­la­ge befin­det? Auf jeden Fall stan­den hier einst die Lehr­werk­statt und die Zimmerei.

Einen Schwer­punkt bil­de­te die Boden­sa­nie­rung der mit erheb­li­chen Mine­ral­öl- und Fluor­kon­ta­mi­na­tio­nen belas­te­ten Holz­trän­ke des ehe­ma­li­gen Säge­werks. Hier hat­te man in der Ver­gan­gen­heit unter ande­rem die höl­zer­nen Bahn­schwel­len mit Imprä­gnie­rungs­mit­teln gegen Ver­wit­te­rung halt­bar gemacht.

Eigent­lich dürf­ten hier und auf dem gesam­ten Gelän­de der ehe­ma­li­gen Bri­kett­fa­brik kei­ne Schad­stof­fe mehr vor­han­den sein.

Unab­hän­gi­ge Labors und Inge­nieur­bü­ros kon­trol­lier­ten und über­wach­ten die Scha­dens­be­sei­ti­gung. Den 1999 been­de­ten Sanie­rungs­ar­bei­ten schlos­sen sich not­wen­di­ge Kon­trol­len, ein Grund­was­ser­mo­ni­to­ring und die Pfle­ge der begrün­ten und auf­ge­fors­te­ten Area­le an.

Ent­lang der Gren­ze des ehe­ma­li­gen Gemü­se­kom­bi­nats Lau­busch schien es fast so. Und auch wei­ter bis zur Gru­be-Eri­ka-Stra­ße, der neu­ge­schaf­fen­den Ver­bin­dungs­stra­ße zwi­schen Lau­busch und Lauta.

Eine ganz beson­de­re Attrak­ti­on — die Biber­burg. So wur­de mir die­ses Bau­werk wenigs­tens von Lau­bu­schern ange­kün­digt. Natür­li­chen Ursprungs oder von Men­schen­hand geschaf­fen? Typi­sche Biber­biß­spu­ren waren an den Bäu­men nicht zu sehen. Oder haben die Biber nicht über­lebt? Müss­ten eigent­lich rost­brau­nes Fell tragen!?

Hin­ter der Umge­hungs­stra­ße wan­del­ten sich das Was­ser- und das Erschei­nungs­bild des Schleich­gra­bens schlag­ar­tig. Zunächst ein rost­brau­ner Zufluss aus Rich­tung Lau­ta und kurz danach ein eben­falls nicht beson­ders gut anzu­se­hen­der Was­ser­ein­trag aus Rich­tung Laubusch.

Was kommt da eigent­lich geflos­sen? Laut Goog­le-Kar­te ist der Ursprung die­ses Gewäs­sers am west­li­chen Rand des Gewer­be-Parks Lau­busch. Also dem mal nach­ge­hen!
Es geis­tern schon genug Gerüch­te durch die Gegend, obwohl die Gerü­che eigent­lich aus­rei­chend wären. Und weni­ge Meter spä­ter kamen Letz­te­re auch.

Im April 2022 klapp­te es end­lich, dem links im Bild sehen­den Was­ser­lauf bis zum Ort sei­nes Ent­ste­hens zu fol­gen. Am west­li­chen Rand des ehe­ma­li­gen BKW-Betriebs­ge­län­des, unweit von Solar­zel­len, Bie­nen­kör­ben und Hoch­sit­zen der Jäger, wur­de ich fündig.

Es ist der Beginn die­ses Gra­ben­ab­schnit­tes. Das Was­ser steht ent­we­der in dem dort enden­den Gra­ben oder kommt, je nach Wet­ter­si­tua­ti­on, aus dem Grund­was­ser neu hin­zu. Jeden­falls ist kei­ne sicht­ba­re Ver­bin­dung in das ehe­ma­li­ge Werks­ge­län­de erkenn­bar.
Also dem Lauf des Was­sers fol­gen, bis auf ein­mal wie­der der Zusam­men­fluss bei­der Grä­ben erreicht ist.

Sehr deut­lich zu sehen im wei­te­ren Ver­lauf die bei der Umver­le­gung des Gra­bens auf bei­den Sei­ten auf­ge­schüt­te­ten Wäl­le. Für uns damals in den 1960er Jah­ren idea­le Aben­teu­er­spiel­plät­ze und Bau­platz für die ver­schie­dens­ten Höh­len und Hüt­ten. Obwohl das Was­ser damals noch unap­pe­tit­li­cher aus­sah und roch. Aber ver­mut­lich waren wir abge­här­te­ter — gegen Gestank und Schmutz, gegen Schwer­me­tal­le und Gif­te. Über den Begriff “sau­be­re Luft” mach­ten wir uns kei­ne Gedan­ken. Erst wenn es im Som­mer ins Kin­der­fe­ri­en­la­ger ging — zumeist im West­lau­sit­zer Berg­land hin­ter Kamenz — merk­ten wir, dass die Luft dort irgend­wie anders war. Manch einer bekam wegen des vie­len Sauer­stoffs dort auch Atemprobleme.

Urplötz­lich stand ich vor einer Absper­rung, in deren Umfeld es ganz beson­ders roch. Kurz danach ein wei­te­rer abge­sperr­ter Bereich. Kein Schild, kein Hin­weis.
Ich war im Bereich der “Blau­en Donau”. In der Nähe eines Indus­trie­be­trie­bes wird die eigent­li­che Donau schon mal so gero­chen haben. Aber das ist lan­ge her. Hier ist es Rea­li­tät und so wie es aktu­ell aus­sieht, lei­der eine für die nächs­ten Jahrzehnte.

Zwei Gehöf­te sind es, die am tiefs­ten Punkt der Leip­pe — Schwarz­koll­mer Nie­de­rung ste­hen. Hier kommt vie­les an und vor­bei, was wei­ter ent­springt oder ent­wich. So wie die Abwäs­ser der eins­ti­gen Teer­tei­che.
Ursprüng­lich gehör­ten die Gehöf­te zu Tätz­sch­witz, so wie auch das Torf­moor drum­her­um. Die Tätz­schwit­zer hol­ten sich hier den Torf, für den Gar­ten und zum Hei­zen.
Wie mäch­tig die Torf­schicht war und noch ist, ist der Öffent­lich­keit noch unbe­kannt. Lang­sam zur Erkennt­nis gereift ist aber, dass es ein sehr gutes Spei­cher­me­di­um ist. Und so wer­den die Indus­trie­ab­wäs­ser noch über min­des­tens ein Jahr­zehnt riech­bar sein.

Was auch nie mit­ge­teilt wur­de, ist:
Wo genau und Wie kamen die gif­ti­gen Abwäs­ser aus den Teer­tei­chen raus?
Wie war ihre Fließ­rich­tung?
Lie­fen sie nur in das tie­fer­ge­le­ge­ne Gebiet öst­lich der Park­stra­ße ab oder auch in das Gebiet west­lich davon, wo die Wohn­häu­ser ste­hen und sich deren Gär­ten befinden?

Die Park­stra­ße ist erhöht gebaut wor­den — wie eine Art Damm. Die ursprüng­li­che Stra­ße — die Tätz­schwit­zer Stra­ße — führ­te schließ­lich durch ein moras­ti­ges, moo­ri­ges Gebiet. Und das Moor ist auch noch west­lich der Park­stra­ße zu regis­trie­ren.
Mar­kan­tes­tes Bei­spiel: die Quel­le auf dem Grund­stück Nord­stra­ße 2. Aus dem Rohr, von dem der Gra­ben im Stadt­park gespeist wird, kommt moo­ri­ges schwar­zes Was­ser. Und die Far­be ändert sich auf sei­nem Lauf durch den Park kaum.

Aber zurück zum Schleich­gra­ben, der sich mit Indus­trie­ab­wäs­sern auf­ge­füllt wei­ter Rich­tung Eri­ka-See quält. Dabei kommt er unter der Brü­cke an der Park­stra­ße durch, die einst mit einem Tor ver­sperrt war.

Das nörd­lichs­te Ende von Lau­ta ist nicht unbe­dingt attrak­tiv. Aber wenigs­tens wur­de der Park in gro­ßen Tei­len wie­der­her­ge­stellt. Die sich dort auf­hal­ten­den Wil­schwei­ne wis­sen das aber nicht zu schät­zen. Und auch das aus der Erde drän­gen­de Was­ser scheint nicht gera­de gerin­ge Pro­ble­me zu berei­ten. Aber Letz­te­res war nur so mein Eindruck.

Ein Indus­trie­denk­mal der beson­de­ren Art sind die Roh­re der eins­ti­gen Asche­ver­spü­lung vom Kraft­werk Lau­ta. Lie­ßen sich eigent­lich zu Geld machen. Aber viel­leicht sind sie inzwi­schen schon Teil eines Biotops.

Nach fast sechs Stun­den Wan­de­rung kommt die Mün­dung in Sicht und mit 290 gespei­cher­ten Bil­dern und eini­gen Video-Auf­nah­men mein Smart­pho­ne-Akku an die Gren­ze sei­ner Leistungsfähigkeit.

Das rech­te Bild zeigt den in den Schleich­gra­ben mün­den­den Park­gra­ben, kurz vor dem Del­ta des Baches. Dort ist es mir jedoch nicht ganz geheu­er. Nicht die Boden­be­schaf­fen­heit berei­tet Pro­ble­me, son­dern es sind die vie­len Tier­spu­ren — ein­deu­tig von Wild­schwei­nen. Das hier scheint ein idea­les Rück­zugs­ge­biet für sie zu sein. Also schnell, aus reich­lich Sicher­heits­ab­stand (ich kann ja lesen), noch eini­ge Fotos gemacht, und dann nichts wie weg!

Im August 2021 war ich wie­der mal in Lau­ta und mach­te mich an die Erkun­dung des wei­te­ren Ver­laufs des Schleich­gra­bens bis zu sei­ner Mün­dung in die Schwar­ze Elster.

Das Tage­bau­rest­loch war der Ver­such, die öko­lo­gi­sche Bilanz in die­sem Gebiet nach Jahr­zehn­ten indus­tri­el­ler Nut­zung und Aus­nut­zung wie­der zu ver­bes­sern. Auf der Goog­le-Land­kar­te trägt es im Gebiet von Lau­ta die Bezeich­nung “Schleich­gra­ben” und hin­ter Lau­ta-Dorf (ab der Gren­ze zwi­schen Sach­sen und Bran­den­burg) die Bezeich­nung “Eri­ka­see bei Groß­ko­schen”. Die Rän­der des Gewäs­sers, vor allem auf der Nord­sei­te, haben sich weit­ge­hend gesetzt. Pflan­zen und Tie­re, zumin­dest die ober­halb der Was­ser­flä­che zu sehen­den, füh­len sich hei­misch. Berich­te über Fische, die sich in den ers­ten Jah­ren nach der Flu­tung in dem Was­ser wohl gefühlt haben sol­len, gibt es aus der Ver­gan­gen­heit. Unter den Angel­ge­wäs­sern ist es bei den Ang­ler­ver­bän­den von Bran­den­burg und Sach­sen nicht zu finden.

Der Schleich­gra­ben wird hier bio­lo­gisch geklärt. Was aber pas­siert mit den Schad­stof­fen, die er ab dem Zufluss in das Gewäs­ser ein­trägt und dort abla­gert? Sin­ken sie auf den Grund und bil­den dort eine fes­te Schicht, von der kei­ne Gefahr für Grund- und Ober­flä­chen­was­ser aus­geht? Stel­len die Schad­stof­fe kei­ne Gefahr für die Pflan­zen und vor allem für die Tie­re dar? Das sind nur eini­ge Fra­gen, die mich beim Ablau­fen des ehe­ma­li­gen Tage­baus beschäf­ti­gen, und auf die es kei­ne Ant­wor­ten zu geben scheint.

Bevor der Schleich­gra­ben in das Tage­bau­rest­loch geführt wur­de, ver­lief er als offe­ner Kanal hin­ter Park­ge­län­de, Bau­er­müh­le, West­stra­ße, Lau­sit­zer Stra­ße, Senf­ten­ber­ger Stra­ße und Lau­ta Dorf bis Groß­ko­schen Sied­lung. Rohr­kol­ben­ge­wäch­se (von uns kurz als Schilf bezeich­net) wuch­sen an sei­nem Ufer. Eine dicke Schlamm­schicht auf bei­den Sei­ten eng­te den Lauf des tief­schwar­zen und mit einem Ölfilm “geschmück­ten” Gewäs­sers ein. Die bewach­se­nen und gelb­lich schim­mern­den Sand­wäl­le bil­de­ten dfa­zu einen posi­ti­ven Kon­trast. Als Kin­der und Jugend­li­che hat­ten uns die­se Fein­hei­ten nicht inter­es­siert. Egal, ob gesund­heits­ge­fähr­dend oder nicht, der Aben­teu­er­spiel­platz “Schleich­gra­ben” war beliebt.
Bis­lang konn­ten noch kei­ne genaue­ren Anga­ben dazu gefun­den wer­den, wann der Kanal ange­legt und wann er genau zuge­schüt­tet wur­de. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jah­re war er — nach mei­ner Erin­ne­rung — schon ver­schwun­den. Die Flä­che ein­ge­eb­net und mit Strand­ha­fer bzw. mit ande­ren den Sand­bo­den bin­den­den und ver­bes­sern­den Pflan­zen bewachsen.

Brü­cke über den Schleich­gra­ben bei Lau­ta-Dorf. Foto: Archiv Jens Bitzka

Meh­re­re Brü­cken führ­ten einst über den Schleich­gra­ben bei Lau­ta, zu bzw. von denen auch einst Wege bzw. Stra­ßen gehör­ten. Mit der Erwei­te­rung der Gru­be Eri­ka ver­schwan­den die­se, wie auch zahl­rei­che Gebäu­de. Eine gab es an der Bau­er­müh­le, eine wei­te­re an dem Weg hin­ter dem heu­ti­gen Auto­haus Elter und eine drit­te in Lau­ta-Dorf am Ende der hin­ter dem KKK-Land­wa­ren­haus ver­lau­fen­den Dorfstraße.

Heu­te ver­läuft hier ein Weg, der auch für Fahr­rä­der geeig­net ist. Wo er endet, ist auch das Ende des Eri­ka­see-Schleich­gra­bens und der neu­er­li­che Beginn des Schleich­gra­bens als selb­stän­di­ges Ober­flä­chen­ge­wäs­ser. Wo es damit genau los­ging, konn­te ich nicht fest­stel­len. Die Warn- und Ver­bots­schil­der hiel­ten mich von einer genaue­ren Erkun­dung ab.

Zeit­wei­lig hat­te ich das Gefühl, dem alten Kanal­ver­lauf zu fol­gen. War mir aber nicht sicher. Zumal er abrupt ende­te und in einen durch Kie­fern­pflan­zun­gen füh­ren­den Sand­weg überging.

Dann hat­te ich ihn end­lich wie­der­ge­fun­den, den Ver­lauf des Schleichgrabens.

Foto­gra­fiert wur­de aus der Fer­ne. Schließ­lich waren die Hin­wei­se ein­deu­tig. Eine Brü­cke führ­te vom Schleich­gra­ben weg und durch Hei­de­land­schaft bis zur Tätz­schwit­zer Straße.

Nun ist es nicht mehr weit, bis das Ende des Was­ser­laufs an der Schwar­zen Els­ter erreicht ist. Über­res­te von Gleis­an­la­gen zei­gen an, dass ent­lang der Schwar­zen Els­ter im letz­ten Jahr­hun­dert Koh­le trans­por­tiert wur­de. Was die Qua­li­tät des Was­sers des in die Schwar­ze Els­ter mün­den­den Schleich­gra­bens anbe­langt, so ist sie in Ord­nung. Zumin­dest dem Augen­schein nach.

 

Fazit

Es lohnt sich immer eine Tour ent­lang des Schleich­gra­bens zu unter­neh­men oder ent­lang eines der in ihn mün­den­den Gewäs­ser. Es gibt noch wesent­lich mehr zu ent­de­cken. Das hier Auf­ge­schrie­be­ne ist ein ers­ter Ein­druck. Nicht mehr, und nicht weniger.

Ent­lang des Gra­ben­ver­laufs gab es zahl­rei­che Hin­wei­se auf Wild­tie­re — in die Erde gegra­be­ne Höh­len, Gewöl­le und Kno­chen­res­te (ein Ske­lett habe ich zum Iden­ti­fi­zie­ren mit­ge­nom­men). Und auch die Pflan­zen­welt hat­te eini­ges zu bieten.

Der Schleich­gra­ben ist Teil des Gewäs­ser­net­zes, das die eins­ti­ge Lau­taer Hei­de durch­zog und von dem die Men­schen damals pro­fi­tier­ten. Teil­wei­se tun sie das auch heu­te noch.

War­um aber ver­än­dert sich in der Nähe des ehe­ma­li­gen Braun­koh­le­wer­kes “John Schehr” Lau­busch die Was­ser­qua­li­tät so rapi­de zum Schlech­ten bis hin zum Uner­träg­li­chen und bringt den Schleich­gra­ben als Gan­zes in Verruf?

Trotz mei­ner zahl­rei­chen Hin­wei­se ist dem bis heu­te nicht nach­ge­gan­gen wor­den. Mir fehl­te dazu bis­lang auch die Zeit. Aber irgend­wann gehe ich dem auf den Grund. Es sei denn, mir kommt jemand zuvor. Wor­über ich nicht böse wäre!

Also: AUF IN DIE NATUR UND AUF DIE SUCHE!!

4 Kommentare

  1. Geschich­ten zum Schleichgraben
    Der Schleich­gra­ben war beson­ders in Lau­ta Nord ein belieb­tes Spiel­ge­biet (ver­bo­te­ner Wei­se) für vie­le Kinder.
    Aus Kin­der­sicht ein Aben­teu­er­spiel­platz, stei­le Böschung, hel­ler Sand, Schilf am Gra­ben­rand und Rohr­kol­ben. Das Gewäs­ser, wenn man es so nen­nen kann, floss eher trä­ge vor sich hin, sowohl der schlam­mi­ge Ufer­be­reich als auch der Gra­ben selbst hat­ten einen etwas mehr oder weni­ger üblen Geruch.
    Bei einem Kon­takt mit ihm, war es schwer mög­lich den Eltern zu ver­heim­li­chen, an wel­chem Ort man gespielt hat­te. Doch wie immer, die Anzie­hungs­kraft des Ver­bo­te­nen hat­te meis­tens gesiegt.

    Die Böschung
    Der Schleich­gra­ben war am Rand durch eine Böschung ein­ge­fasst ca. 1,50 Meter hoch und die­se aus hel­lem Sand. Der hel­le Sand war schon etwas Beson­de­res in einer Gegend mit der Koh­le­pro­duk­ti­on. Es war sonst mehr grau­er und dunk­ler Schmutz, der die Ober­flä­chen bedeck­te, der hel­le Sand hat­te schon sei­ne beson­de­re Anzie­hungs­kraft. Es wur­den Sand­bur­gen gebaut und Löcher gegra­ben, also Spie­le, wel­che an einem Strand sonst üblich sind.
    Doch es gab auch Kin­der, denen reich­te dies nicht, es muss­te mehr Aben­teu­er sein. Also wur­den in die Böschung Höh­len gegra­ben, teil­wei­se bis zu 2 Meter weit. Nur hat­ten die Kin­der kei­ne Kennt­nis­se von der Sta­tik und der Fes­tig­keit des San­des. Die Dau­er und der Bestand die­ser Höh­len waren nur kurz, Es kamen zum Glück Alle, die die­ses Aben­teu­er wag­ten, mit dem Schre­cken davon, selbst wenn sie kurz ver­schüt­tet waren.

    Weit­sprung
    Da die Böschung nicht sehr hoch war, wur­de von dem Rand schnell in den locke­ren Sand dar­un­ter gesprun­gen. Es war eigent­lich kein Pro­blem, zu sprin­gen. Doch eini­ge Über­mu­ti­ge (meist älte­re Kin­der) waren der Mei­nung, dass man ja auch Weit­sprung machen kön­ne. Gesagt getan, Anlauf genom­men und vom Rand absprin­gen, nur die Wei­te war wich­tig. Bis sich eines Tages eines der Kin­der ein Bein gebro­chen hat bei die­ser Übung, Die­ses Bei­spiel sprach sich schnell her­um und Weit­sprung war nicht mehr so gut.

    Die Brü­cke
    In der Nähe der alten Gemein­de führ­te eine Holz­brü­cke über den Schleich­gra­ben, die­se Brü­cke hat­te eine auf­wen­di­ge Holz­kon­struk­ti­on im Unter­bau und stand auf 6 Pfei­lern, Die Unter­kon­struk­ti­on war eine „Ein­la­dung“, um dar­in zu klet­tern und um fan­gen zu spie­len. Die Brü­cke dien­te auch für Sol­da­ten­spie­le, eine Grup­pe hat die Brü­cke ver­tei­digt und eine Grup­pe woll­te sie einnehmen.
    Die Brü­cke wur­de aber in den 60er Jah­ren abge­ris­sen, da an die Pfei­ler feu­er­ge­legt wur­de und die Trag­fä­hig­keit nicht mehr gege­ben war.

    Bernd Pun­zel

  2. Hal­lo zusammen, 

    sehr span­nen­de Erklä­rung und Bil­der! Mich wür­de inter­es­sie­ren, war­um das Gewäs­ser­netz ursprüng­lich in der Hei­de ange­legt wur­de? Haben Sie dar­über zufäl­lig auch Informationen.
    Vie­len Dank!
    Eva

    1. Ich bin in die­sen Fra­gen kein Fach­mann. Der Aus­gangs­punkt für das heu­te vor­zu­fin­den­de Gewäs­ser­netz waren die natür­li­chen Quel­len und die Wege, die sich das dort ent­sprin­gen­de Was­ser gesucht hatte.
      Im Zuge der land­wirt­schaft­li­chen Nut­zung wur­den ihm dann die — in Form von Grä­ben — die Bah­nen vor­ge­ge­ben, in denen sich das Was­ser bewe­gen soll­te. Dabei ach­te­te man dar­auf, dass es nicht zu schnell abfloss, son­dern auch genug für die Bewäs­se­rung der Flä­chen zurück­blieb, z. B. Wie­sen mit Gras für das Vieh. Durch über zahl­rei­che Genera­tio­nen hin­weg gesam­mel­te Erfah­run­gen wuss­ten unse­re Vor­fah­ren auch, wie wich­tig Moo­re für die Sta­bi­li­tät des Was­ser­haus­hal­tes waren.

Schreibe einen Kommentar

error: Content is protected !!