Der Schleichgraben (II)

Nachdem die Wanderung zunächst entlang des Petzerberggrabens und danach des Neukollmer Grabens erfolgte, ging es ab dem ehemaligen Schwimmbad Lauta am Schleichgraben weiter. Zunächst wurden zahlreiche Fotoaufnahmen auf dem der Natur zurückgegebenen Schwimmbad-Areal gemacht und in dessen Umfeld. Die Auswertung wird in einem gesonderten Beitrag erfolgen.

Die Eiche war (für mich) das Objekt, um das Aussehen des Schwimmbades nachzuvollziehen. Auf der Grünfläche unter der Eiche saßen wir einst auf der Bank oder lagen auf Decken. Rechts davor waren die Schwimmbecken und links der Nichtschwimmerteich.

Gemächlich fließt der Schleichgraben an den Überresten des Schwimmbades vorbei, unterquert den Waldesruhweg – kurz davor befindet sich das Rohr durch das das Wasser vom Schwimmbad wieder zurück in den Graben geleitet wurde – , die Bahnlinie Falkenberg – Horka und die B 96.

Nicht so richtig deuten ließ sich das Bild mit dem Wassermann und dem Fisch auf dem Geländer der 2015 am Waldesruhweg gebauten Brücke.

Bringt er einen Fisch oder nimmt er ihn mit?
Gab es jemals Fische im Schleichgraben? Vermutlich, solange er direkt mit der Schwarzen Elster verbunden war und noch nicht als Ableiter von Gruben- und Industrieabwässern dienen musste. Vieleicht hatten kleine Fischpopulationen im Oberlauf des Schleichgrabens überlebt. Aber spätestens mit der Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser war es vorbei mit Fischen, Krebsen und Amphibien. Nur der Mensch könnte heute etwas daran ändern. Die Natur vermag es allein bestimmt nicht zu richten.

Ab dem Auslauf hinter der B 96 beeinflussen aus dem Gebiet der Hochkippe einfließende Rinnsale Qualität und Farbe des Schleichgrabens. Lässt man dies außer Acht, fühlt man sich zeitweise wie im Spreewald.

Am linken Ufer des Schleichgrabens erhebt sich im Hintergrund die Hochkippe. Rechts stehen Einfamilien-Häuser. Sie gehören zur Straße Am Wiesengrund in Laubusch-Siedlung.

Wenig später quert der Schleichgraben die Gartenstraße und fließt an der Kleingartenanlage „An der Hochkippe“ vorbei.

Nun wurde es wirklich schwer, immer am Wasser entlang zu kommen. Ich wählte die rechte Seite, was sich zunächst als richtig anfühlte, dann aber als Fehler herausstellte.
Hinter den Kleingärten waren – vermutlich als Barriere gegen die Wildschweine – soviel Schnittholz und Gartenabfälle abgelegt worden, dass ein Durchkommen kaum möglich war. Ich quälte mich direkt am Ufer entlang, spielte kurzzeitig mit dem Gedanken, über den Bach auf die andere Seite zu springen, und wäre fast an im Gestrüpp gespannten Stacheldrähten verendet.

Das in der Ferne zu sehende Schulgebäude zeigte mir an, dass ich in Kürze die Hauptstraße erreichen würde. Zügigen Schrittes entlang des nun geradlinig verlaufenden Schleichgrabens erreichte ich das kleine Wäldchen an der Teichstraße.
Seit meinem Start waren fast vier Stunden vergangen.

Das Wasser sah im Bereich der Teichstraße wieder sehr klar aus.

Teichstraße und Mühlenstraße – zwei Straßennamen, die auf Vergangenes hinweisen. Auf der Internetseite des Heimatvereins Laubusch heißt es:

Für den zweiten Ortsteil, die Bergmannsheimstätten, wurden die Flurstücke von Schwarzkollm erworben. Hier existierten bereits die Schneidemühle, eine größere Bauernwirtschaft und zwei kleinere Wohnhäuser. Die Betriebsleitung richtete dort ihren Hofbetrieb, vorwiegend mit Pferdefuhrwerken ein. In den Bergmannsheimstätten entstanden 1922/23 so die Mühlen-, Teich-, Bergmanns- und Ringstraße. 1928 bildete das Gemeindeamt den Abschluß des Aufbaus des zweiten Ortsteiles.

Auf der Autokarte von 1931 sind die Schneidemühle und die Teiche erfasst.

Ob das direkt an der Straße, hinter der 2009 erneuerten Brücke, stehende Gebäude zur einstigen Schneidemühle gehörte, konnte ich nur ahnen. Aber vielleicht kann der Heimatverein Laubusch helfen.

Weiter führte der Weg – mit Blick auf die Kleingärten – bis zur Brücke an der August-Bebel-Straße.

Hinter der Brücke entschloss ich mich, auf die Seite der Hochkippe zu wechseln. Freundliche Laubuscher hatten mir mitgeteilt, dass ich auf der rechten Seite nicht mehr weiterkommen würde.

Der aufgeschüttete Damm für die Kohlebahn zum Kraftwerk Lauta bzw. zum Bahnhof Schwarzkollm war erreicht. Als Kind und Jugendlicher ging Jahrzehnte zuvor entlang des Damms auf direktem Weg von Lauta nach Laubusch. Ganz besonders ideal (später als Erwachsener) nach einer feucht-fröhlichen Feier: keine Polizei, kein Verkehr, nur Natur. Wer umfiel, blieb liegen. Störte keinen!
Der Schleichgraben fließt durch den Damm hindurch.

Dann ist es vorbei, mit dem bis dahin weitgehend klaren Wasser. Ob sich hinter dem Zaun links eine erste Kläranlage befindet? Auf jeden Fall standen hier einst die Lehrwerkstatt und die Zimmerei.

Einen Schwerpunkt bildete die Bodensanierung der mit erheblichen Mineralöl- und Fluorkontaminationen belasteten Holztränke des ehemaligen Sägewerks. Hier hatte man in der Vergangenheit unter anderem die hölzernen Bahnschwellen mit Imprägnierungsmitteln gegen Verwitterung haltbar gemacht.

Eigentlich dürften hier und auf dem gesamten Gelände der ehemaligen Brikettfabrik keine Schadstoffe mehr vorhanden sein.

Unabhängige Labors und Ingenieurbüros kontrollierten und überwachten die Schadensbeseitigung. Den 1999 beendeten Sanierungsarbeiten schlossen sich notwendige Kontrollen, ein Grundwassermonitoring und die Pflege der begrünten und aufgeforsteten Areale an.

Entlang der Grenze des ehemaligen Gemüsekombinats Laubusch schien es fast so. Und auch weiter bis zur Grube-Erika-Straße, der neugeschaffenden Verbindungsstraße zwischen Laubusch und Lauta.

Eine ganz besondere Attraktion – die Biberburg. So wurde mir dieses Bauwerk wenigstens von Laubuschern angekündigt. Natürlichen Ursprungs oder von Menschenhand geschaffen? Typische Biberbißspuren waren an den Bäumen nicht zu sehen. Oder haben die Biber nicht überlebt? Müssten eigentlich rostbraunes Fell tragen!?

Hinter der Umgehungsstraße wandelten sich das Wasser- und das Erscheinungsbild des Schleichgrabens schlagartig. Zunächst ein rostbrauner Zufluss aus Richtung Lauta und kurz danach ein ebenfalls nicht besonders gut anzusehender Wassereintrag aus Richtung Laubusch.

Was kommt da eigentlich geflossen? Laut Google-Karte ist der Ursprung dieses Gewässers am westlichen Rand des Gewerbe-Parks Laubusch. Also dem mal nachgehen!
Es geistern schon genug Gerüchte durch die Gegend, obwohl die Gerüche eigentlich ausreichend wären. Und wenige Meter später kamen Letztere auch.

Sehr deutlich erkennbar die bei der Umverlegung des Grabens auf beiden Seiten aufgeschütteten Wälle. Für uns damals in den 1960er Jahren ideale Abenteuerspielplätze und Bauplatz für die verschiedensten Höhlen und Hütten. Obwohl das Wasser damals noch unappetitlicher aussah und roch. Aber vermutlich waren wir abgehärteter – gegen Gestank und Schmutz, gegen Schwermetalle und Gifte. Über den Begriff „saubere Luft“ machten wir uns keine Gedanken. Erst wenn es im Sommer ins Kinderferienlager ging – zumeist im Westlausitzer Bergland hinter Kamenz – merkten wir, dass die Luft dort irgendwie anders war. Manch einer bekam wegen des vielen Sauerstoffs dort auch Atemprobleme.

Urplötzlich stand ich vor einer Absperrung, in deren Umfeld es ganz besonders roch. Kurz danach ein weiterer abgesperrter Bereich. Kein Schild, kein Hinweis.
Ich war im Bereich der „Blauen Donau“. In der Nähe eines Industriebetriebes wird die eigentliche Donau schon mal so gerochen haben. Aber das ist lange her. Hier ist es Realität und so wie es aktuell aussieht, leider eine für die nächsten Jahrzehnte.

Zwei Gehöfte sind es, die am tiefsten Punkt der Leippe – Schwarzkollmer Niederung stehen. Hier kommt vieles an und vorbei, was weiter entspringt oder entwich. So wie die Abwässer der einstigen Teerteiche.
Ursprünglich gehörten die Gehöfte zu Tätzschwitz, so wie auch das Torfmoor drumherum. Die Tätzschwitzer holten sich hier den Torf, für den Garten und zum Heizen.
Wie mächtig die Torfschicht war und noch ist, ist der Öffentlichkeit noch unbekannt. Langsam zur Erkenntnis gereift ist aber, dass es ein sehr gutes Speichermedium ist. Und so werden die Industrieabwässer noch über mindestens ein Jahrzehnt riechbar sein.

Was auch nie mitgeteilt wurde, ist:
Wo genau und Wie kamen die giftigen Abwässer aus den Teerteichen raus?
Wie war ihre Fließrichtung?
Liefen sie nur in das tiefergelegene Gebiet östlich der Parkstraße ab oder auch in das Gebiet westlich davon, wo die Wohnhäuser stehen und sich deren Gärten befinden?

Die Parkstraße ist erhöht gebaut worden – wie eine Art Damm. Die ursprüngliche Straße – die Tätzschwitzer Straße – führte schließlich durch ein morastiges, mooriges Gebiet. Und das Moor ist auch noch westlich der Parkstraße zu registrieren.
Markantestes Beispiel: die Quelle auf dem Grundstück Nordstraße 2. Aus dem Rohr, von dem der Graben im Stadtpark gespeist wird, kommt mooriges schwarzes Wasser. Und die Farbe ändert sich auf seinem Lauf durch den Park kaum.

Aber zurück zum Schleichgraben, der sich mit Industrieabwässern aufgefüllt weiter Richtung Erika-See quält. Dabei kommt er unter der Brücke an der Parkstraße durch, die einst mit einem Tor versperrt war.

Das nördlichste Ende von Lauta ist nicht unbedingt attraktiv. Aber wenigstens wurde der Park in großen Teilen wiederhergestellt. Die sich dort aufhaltenden Wilschweine wissen das aber nicht zu schätzen. Und auch das aus der Erde drängende Wasser scheint nicht gerade geringe Probleme zu bereiten. Aber Letzteres war nur so mein Eindruck.

Ein Industriedenkmal der besonderen Art sind die Rohre der einstigen Ascheverspülung vom Kraftwerk Lauta. Ließen sich eigentlich zu Geld machen. Aber vielleicht sind sie inzwischen schon Teil eines Biotops.

Nach fast sechs Stunden Wanderung kommt die Mündung in Sicht und mit 290 gespeicherten Bildern und einigen Video-Aufnahmen mein Smartphone-Akku an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.

Das rechte Bild zeigt den in den Schleichgraben mündenden Parkgraben, kurz vor dem Delta des Baches. Dort ist es mir jedoch nicht ganz geheuer. Nicht die Bodenbeschaffenheit bereitet Probleme, sondern es sind die vielen Tierspuren – eindeutig von Wildschweinen. Das hier scheint ein ideales Rückzugsgebiet für sie zu sein. Also schnell, aus reichlich Sicherheitsabstand (ich kann ja lesen), noch einige Fotos gemacht, und dann nichts wie weg!

Fazit

Es lohnt sich immer eine Tour entlang des Schleichgrabens zu unternehmen oder entlang eines der in ihn mündenden Gewässer. Es gibt noch wesentlich mehr zu entdecken. Das hier Aufgeschriebene ist ein erster Eindruck. Nicht mehr, und nicht weniger.

Entlang des Grabenverlaufs gab es zahlreiche Hinweise auf Wildtiere – in die Erde gegrabene Höhlen, Gewölle und Knochenreste (ein Skelett habe ich zum Identifizieren mitgenommen). Und auch die Pflanzenwelt hatte einiges zu bieten.

Der Schleichgraben ist Teil des Gewässernetzes, das die einstige Lautaer Heide durchzog und von dem die Menschen damals profitierten. Teilweise tun sie das auch heute noch.

Also: AUF IN DIE NATUR!!

4 Kommentare

  1. Geschichten zum Schleichgraben
    Der Schleichgraben war besonders in Lauta Nord ein beliebtes Spielgebiet (verbotener Weise) für viele Kinder.
    Aus Kindersicht ein Abenteuerspielplatz, steile Böschung, heller Sand, Schilf am Grabenrand und Rohrkolben. Das Gewässer, wenn man es so nennen kann, floss eher träge vor sich hin, sowohl der schlammige Uferbereich als auch der Graben selbst hatten einen etwas mehr oder weniger üblen Geruch.
    Bei einem Kontakt mit ihm, war es schwer möglich den Eltern zu verheimlichen, an welchem Ort man gespielt hatte. Doch wie immer, die Anziehungskraft des Verbotenen hatte meistens gesiegt.

    Die Böschung
    Der Schleichgraben war am Rand durch eine Böschung eingefasst ca. 1,50 Meter hoch und diese aus hellem Sand. Der helle Sand war schon etwas Besonderes in einer Gegend mit der Kohleproduktion. Es war sonst mehr grauer und dunkler Schmutz, der die Oberflächen bedeckte, der helle Sand hatte schon seine besondere Anziehungskraft. Es wurden Sandburgen gebaut und Löcher gegraben, also Spiele, welche an einem Strand sonst üblich sind.
    Doch es gab auch Kinder, denen reichte dies nicht, es musste mehr Abenteuer sein. Also wurden in die Böschung Höhlen gegraben, teilweise bis zu 2 Meter weit. Nur hatten die Kinder keine Kenntnisse von der Statik und der Festigkeit des Sandes. Die Dauer und der Bestand dieser Höhlen waren nur kurz, Es kamen zum Glück Alle, die dieses Abenteuer wagten, mit dem Schrecken davon, selbst wenn sie kurz verschüttet waren.

    Weitsprung
    Da die Böschung nicht sehr hoch war, wurde von dem Rand schnell in den lockeren Sand darunter gesprungen. Es war eigentlich kein Problem, zu springen. Doch einige Übermutige (meist ältere Kinder) waren der Meinung, dass man ja auch Weitsprung machen könne. Gesagt getan, Anlauf genommen und vom Rand abspringen, nur die Weite war wichtig. Bis sich eines Tages eines der Kinder ein Bein gebrochen hat bei dieser Übung, Dieses Beispiel sprach sich schnell herum und Weitsprung war nicht mehr so gut.

    Die Brücke
    In der Nähe der alten Gemeinde führte eine Holzbrücke über den Schleichgraben, diese Brücke hatte eine aufwendige Holzkonstruktion im Unterbau und stand auf 6 Pfeilern, Die Unterkonstruktion war eine „Einladung“, um darin zu klettern und um fangen zu spielen. Die Brücke diente auch für Soldatenspiele, eine Gruppe hat die Brücke verteidigt und eine Gruppe wollte sie einnehmen.
    Die Brücke wurde aber in den 60er Jahren abgerissen, da an die Pfeiler feuergelegt wurde und die Tragfähigkeit nicht mehr gegeben war.

    Bernd Punzel

  2. Hallo zusammen,

    sehr spannende Erklärung und Bilder! Mich würde interessieren, warum das Gewässernetz ursprünglich in der Heide angelegt wurde? Haben Sie darüber zufällig auch Informationen.
    Vielen Dank!
    Eva

    1. Ich bin in diesen Fragen kein Fachmann. Der Ausgangspunkt für das heute vorzufindende Gewässernetz waren die natürlichen Quellen und die Wege, die sich das dort entspringende Wasser gesucht hatte.
      Im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung wurden ihm dann die – in Form von Gräben – die Bahnen vorgegeben, in denen sich das Wasser bewegen sollte. Dabei achtete man darauf, dass es nicht zu schnell abfloss, sondern auch genug für die Bewässerung der Flächen zurückblieb, z. B. Wiesen mit Gras für das Vieh. Durch über zahlreiche Generationen hinweg gesammelte Erfahrungen wussten unsere Vorfahren auch, wie wichtig Moore für die Stabilität des Wasserhaushaltes waren.

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