Die Punzels. Eine Familie im Spiegel der Geschichte

Vorbemerkungen

Die nachfolgenden Texte sind meinen Eltern gewidmet, Ingeborg und Hans-Jürgen Punzel, die 2020 bzw. 2021 ihren 90. Geburtstag begehen konnten und denen ich wünsche, dass ihnen ausreichend Zeit bleibt, um bei der Aufarbeitung der Familiengeschichte zu helfen bzw. diese mit Freuden zu lesen.

Unsere Familie – beginnend bei Ingeborg und Hans-Jürgen Punzel – umfasst aktuell 63 Personen. Viele von ihnen tragen den Familiennamen „Punzel“ oder hatten ihn bis zu einer Verheiratung getragen. Allen Namensträgern war und ist eines gemeinsam, sie mussten bzw. müssen sich immer mit dessen Verballhornung abfinden. „Rapunzel“, „Punzelchen“, „Prunzel“, „Purzel“ – sind nur einige davon. Mentale Stärke war und ist vonnöten, um das nicht an sich herankommen zu lassen. Als Historiker habe ich mir diese Stärke und den Stolz auf meinen ungewöhnlichen Familiennamen aus der Geschichte geholt.

Die Herkunft des Namens

Nach der Erklärung des GenWiki kommt der Name aus dem Mittelhochdeutschen und leite sich ab von „punze“ (= Stichel) oder „ponze“ (= größeres Faß; für einen dicken Menschen). Als Namensvarianten werden aufgeführt: Puntzil (um 1361), Punczel (um 1422), Bunzel (um 1452). Weitere Auskünfte gibt es nicht.
Die Internetseite „Namespedia“ schreibt: „Bedeutung des Namens Punzel ist unbekannt“.
Forebears“ schreibt, dass aktuell weltweit 526 Personen diesen Familiennamen hätten. Er am häufigsten in den USA vorkäme und die höchste Dichte in Deutschland erreiche. Dabei verteilten sich die Namensträger mit 84 Personen auf das Land Brandenburg und 25 Personen in Berlin. In Bayern gebe es sieben Namensträger, in Baden-Württemberg fünf, in NRW und Sachsen-Anhalt jeweils drei, in Sachsen zwei, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie Hessen jeweils eine Person Weiter heißt es: „Punzel (Ö.) siehe Bunzel! Niclas Punczlaw 1379 Prag (zu Bunzlau/schlesisch beziehungsweise Jungbunzlau/Böhmen).
Die für Familiengeschichtsforschung weltweit führende Plattform „ancestry“ bezieht sich als Quelle auf das „Dictionary of American Family Names„, 2013, Oxford University Press.

deutsch: Variante von Bunzel , aus einer Verkleinerungsform von Bunze „(offiziell gestempeltes) Weinfass“, möglicherweise ein Berufsname oder ein Spitzname für einen kurzen dicken Mann. 2. Deutsch: wahrscheinlich eine metonymische Berufsbezeichnung für einen Kupferstecher oder Metallarbeiter ähnlicher Tätigkeit, von mittelhochdeutsch punze für ‚meißel‘, ‚hobel‘“

Die Internetseite „Deutsche Nachnamen“ macht es sich ganz einfach und übernimmt lediglich die Angaben des GenWiki.

13. Jahrhundert

Dechant Johannes Pfol und das ganze Kapitel der Domkirche St. Petri zu Bautzen stellen dem Bürgermeister und Ratsmannen der Stadt Bautzen ein Transsumpt und Vidimus über einen besiegelten Pergamentbrief der Markgrafen Otto [IV.] und Waldemar von Brandenburg vom 28. August 1307 aus, worin die Markgrafen Otto [IV.] und Waldemar von Brandenburg der Stadt Bautzen folgende Privilegien bestätigen: Bürger mit Bürgerrecht der Stadt Bautzen dürfen nicht durch einen Erbrichter gerichtet werden, wenn sie nicht auf dem Land auf frischer Tat ertappt wurden und noch am selben Tag angezeigt wurden. In diesem Fall sollen sie vor das Landgericht gebracht werden. Zweitens müssen Händler mit den Bürgern schossen und wachen. Drittens dürfen nur Bürger Mist aus der Stadt fahren oder Personen, die das auf Wunsch eines Bürgers tun.
Zeugen sind Nikolaus von Porsitz, Heinrich von Gauig (Gusk), Thylich von Haugwitz, Dechant Walther Punzel und andere nicht genannte Getreue.
Ausgestellt am 28. August 1307

(Stadtarchiv Bautzen, 61000 – 0699, Lit.P Nr.2)
Urkunde vom 28. August 1307, Stadtarchiv Bautzen

Es handelt sich hierbei um das erste Dokument, in dem eine Person erwähnt wird, die den Namen „Punzel“ trägt, zumindest nach der Übertragung des Inhalts aus dem Lateinischen in modernes Deutsch. Im Originaldokument steht Waltheru Puntzelo. Also handelt es sich um Walther Puntzel. Der Name ist in einer weiteren Urkunde zu finden, die ebenfalls am 28. August 1307 ausgestellt wurde. Darin ordnen die vorstehend genannten Landgrafen die Gerichte der Stadt Bautzen. [[https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/ALH6ERACQXBPXUMHFJKIKFN7Q5HGUQH6]] Ausgestellt wurden die Urkunden in Golßen.

Walther Puntzel war als Dechant der Vorsteher einer Gruppe von Priestern. Nach dem Text der Urkunde gehörte er, wie Dechant Johannes Pfol, zum Kapitel der Domkirche St. Petri. Alle anderen Genannten stammten aus Orten in der Umgebung von Bautzen.

Aus dem Jahr 1371 liegt ein weiteres Dokument vor, das das Bautzener Domstift betrifft. Darin heißt es:

Noch in demselben Jahre 1371 (13. Dezember) finden wir bereits wieder einen neuen Propst von Bautzen, Konrad Pruze, aus einem thüringischen Geschlecht, dem lange Zeit das Gut Treffurt gehörte. Er war 1347 „oberster Schreiber“ Markgraf Friedrichs des Strengen, seit 1353 Domherr zu Meißen, 1358 Propst zu Hain, 1362-1371 (25. März) Archidiakonus der Niederlausitz gewesen und blieb nun Bautzner Propst von 1371 bis 1381. Unter ihm fand 1372 die Bestätigung der Statuten des Bautzner Kollegiatstifts, welche wir schon erwähnten, durch Bischof Konrad II. statt, wobei als damalige Mitglieder des Kapitels Dekan Rulko [von Bischofswerde], Heinrich Porsche [„Porschin“], Ramfold v. Polenz, Johann v. Kopperitz, Johann Punzel [Ponczelini] und der Kustors Heinrich von Bischofswerde genannt werden.

Knothe, Hermann: Die Pröpste des Kollegiatstifts St. Petri zu Bautzen von 1221—1562.
In Neues Archiv für Sächsische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 11, Dresden 1890, S. 29.

Johann Punzel gehörte nach Walther Puntzel ebenfalls dem Domstift in Bautzen an. Konkretere Angaben zu beiden Personen sind bislang nicht auffindbar. Vermutlich wurden die Unterlagen in der Zeit der Reformation vernichtet. Es könnten sich aber noch Dokumente im Archiv des Vatikans befinden, die das Domstift St. Petri zu Bautzen betreffen.

15. Jahrhundert

Die Chronik der Stadt Delitzsch berichtet aus dem Jahr 1434 1:

Einer, namens Punzel, ward versucht (gemartert)…

Stadtarchiv Delitzsch, Stadtchronik 1207-1990

Auch hierzu gibt es keine weiteren Angaben. Bestätigt wird durch diese Eintragung, dass sich Personen mit dem Namen „Puntzel“ bzw. „Punzel“ im 14. und im 15. Jahrhundert in Sachsen aufhielten.

16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert war in Deutschland eine Pflanzenart bekannt, von der entweder die rübenförmigen, fleischigen Wurzeln oder die rosettenförmig angeordneten Blätter als Salat zum Essen verwendet wurden. In Italien nannte man sie Raponzolo, vom italienischen Wort „rapa“ (Rübe) bzw. dem lateinischen Wort „rapum“ abgeleitet, woraus im Frühneuhochdeutschen des 16. Jahrhunderts Rapintzle, Rabüntztle, Rapüntzle, Rapuntzel und später im Neuhochdeutschen Rapüntzelin, Rapünzlein, Rapünzchen (um 1700) wurde.2

Über den Romanschriftsteller Joachim Christoph Friedrich Schulz, er lebte von 1762 bis 1798,3 fand Rapunzel Eingang in die deutsche Sagen- und Märchenwelt. Er übersetzte und veröffentlichte 1790 eine bereits früher in Frankreich erschienene Feen-Geschichte, in der die Hauptfigur „Petrosinella“ hieß, in einer ersten deutschen Übersetzung 1761/66 „Petersilie“. Schulz fand das aber unpassend, und nahm Rapunzel. Jacob Grimm übernahm die Geschichte 1812 in die erste Auflage der Kinder- und Hausmärchen.

In Kurzfassung geht die Geschichte so:
Rapunzels Mutter gelingt es in ihrer Schwangerschaft nicht, ihren schwangerschaftsbedingten Heißhunger und Appetit auf die im Garten der Nachbarin wachsenden Rapunzeln zu zügeln. Hierbei handelt es sich entweder um Feldsalat oder um die Rapunzel-Glockenblume, die früher ebenfalls als Salatpflanze angebaut wurde. Sie ist überdurchschnittlich reich an Eisen und anderen Spurenelementen, die während der Schwangerschaft sehr wichtig sind.
Als ihr Ehemann den Salat für seine Frau zum wiederholten Male aus dem Garten einer Zauberin stehlen will, wird er von dieser ertappt und muss ihr zur Strafe (und aus Angst und um ihrem Zauber oder der Bloßstellung als Dieb zu entgehen) sein Kind versprechen. Gleich nach der Geburt holt sie sich das Neugeborene, gibt ihm den Namen Rapunzel, und als das Mädchen zwölf Jahre ist (zu Beginn der Pubertät vor der „Entwicklung zur Frau“), sperrt sie es in einen abgelegenen türlosen Turm. Die einzige Möglichkeit, in ihn hineinzugelangen, besteht darin, dass Rapunzel auf Zuruf ihr langes Haar vom Dachfenster herunterlässt, sodass die Zauberin daran hinaufklettern und sie mit Nahrung versorgen kann.4

17. Jahrhundert

Am 2. Juli 1641 schrieb der niederländische Rechtsgelehrte Hugo de Groot 5 an Johan Adler Salvius 6 einen Brief mit folgendem Satz:

Von herrn Stalhanschen 7 haben wir, dass derselbe sich nun wieder in Schlesien befinde, vndt zu Punzel rendez-vous gehalten habe…“. 8

Stalhandske hielt sich nicht in „Punzel“ auf, sondern in Bunzlau 9, Niederschlesien (heute: Bolesławiec). In schlesisch lautet die Ortsbezeichnung „Bunzel“. Aber mit der Unterscheidung von „B“ und „P“ nahm man es nicht so genau. Bis heute. So gibt es den Begriff „Punzel-Tippla10 , anstatt „Bunzel-Tippla“, als volkstümliche Bezeichnung für die Bunzlauer Keramik.

„Punzel-Tippla“, eigentlich Bunzel-Tippla. Bunzlauer Keramik. 11

18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wurde in Greiffenberg (Uckermark) Johann Christian Punzel geboren. Er soll dort ebenfalls verstorben sein. Am 25. August 1776 wurden ihm und seiner Ehefrau Marie Elisabeth (geb. Wantz) in Greiffenberg ein Sohn geboren, Johann Friedrich Punzel. Dieser verstarb am 30. Oktober 1837, in Greiffenberg, und hinterließ ebenfalls einen Sohn, Friedrich Wilhelm Punzel (geb. 21. November 1812 in Greiffenberg, gest. 21. August 1868 in Greiffenberg).
Johann Christian Punzel ist der älteste bekannte Vertreter der Linie von Punzels, die heute durch meinen Vater, Hans-Jürgen Punzel, repräsentiert wird.

19. Jahrhundert

„Köck und Juste“, Vaudeville in 1 Akt von W. Friedrich kündigte das Theater der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Königsberg für Montag, den 4. November 1844 an. Die Rolle des Registrators Purzel, spiele Herr Klotz. 12

Theaterzettel aus der Residenzstadt Königsberg (Ostpreußen).

Verfasst hatte das Stück Friedrich Wilhelm Riese. W. Friedrich benutzte er als Pseudonym. In der 1846 beim Berliner Verlag Julius Springer veröffentlichten Druck-Fassung wird es als „Posse in einem Aufzuge“ bezeichnet: „Frei nach dem Französischen“. Als erste Rolle wird der „Registrator Punzel“ genannt. Und so steht es auch in den nachfolgenden Veröffentlichungen. Seine Schwester Aspasia, verwitwete Hauptmännin Dürrfeld bzw. Dürfeld, müsste mit Mädchennamen auch Punzel geheißen haben: Aspasia Punzel. Die Namensgeberin des Vornamens Aspasia ( * um 470 v. Chr. in Milet; † um 420 v. Chr. in Athen) war eine griechische Philosophin, Rednerin und die zweite Frau des Perikles. Von antiken Komödiendarstellern wurde sie gern als Hetäre 13 dargestellt und herabgesetzt.

Titelbild von Theodor Hosemann 14
W. Friedrich = Friedrich Wilhelm Riese

Die „Wiener allgemeine Musik-Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe Nr. 60/61 vom 20./22. Mai 1845, auf S. 243, dass das Theater Graz unter der Rubrik „Singspiele und Possen“ im Spieljahr an drei Abenden das Stück „Punzel“ aufgeführt habe. Um welches Stück es sich hier genau handelte, ist nicht bekannt. Vermutlich war es das vorstehend genannte Stück von Friedrich Wilhelm Riese.

Registrator Punzel 15

Warum Riese seiner Figur den Namen „Punzel“ gab, ließ sich bislang nicht klären. Erfolgreich jedoch schien das Stück an den verschiedensten Bühnen gelaufen zu sein. Was zwanglos zur Verbreitung unseres Familiennamens führte. Bis nach Ägypten wurde er so bekannt, wie der aus Berlin stammende und von 1862 bis 1872 in Kairo tätige Schlossermeister Carl Hoffmann in seinen 1879 veröffentlichten Erinnerungen berichtete.

Es sollte „Köck“ und „Juste“ aufgeführt werden.
Nun ging auch der Vorhang auf und in wirklicher, preußischer, wenn auch etwas schäbiger Uniform erscheint der Gefreite „Köck“ und schildert dem Publikum seine glühende Liebe zu „Justen“ und wie dieselbe immer mit fetten „Bratenstullen“ und Schmalztöpfen sein eintöniges Kasernenleben bei Kommissbrot und Graupensuppe zu verschönern wusste.
Dieses gute alte Lustspiel und die wirklich gelungene Darstellung versetzte alle Zuhörer in die lustigste Stimmung, man glaubt sich eher in der ´grünen Neune` in Berlin 16 als mitten in der Kalifenstadt zu befinden.“

Carl Hoffmann: Ein Schlosser in Egypten. Meine Erlebnisse während eines zehnjährigen Aufenthaltes im Lande der Pyramiden, Berlin (F. Dörner), 1879, S. 192 f.)

Registrator Punzel war in dem Stück die tragische Gestalt. Was auch dazu führte, dass er die Figuren Köck und Guste in Einzelfällen aus der Überschrift verdrängte. Das Theater in Graz, siehe oben, spielte das Stück unter dem Titel „Punzel“.

1858 erschien im Leipziger Verlag F. A. Geisler „Der dumme Punzel oder Wie Alle reich werden wollten. Ein Lust- und Zauberspiel für das Puppentheater in 2 Aufzügen“. Wer der Autor war, ist nicht bekannt. Dafür aber der Inhalt:

Marionettenspiel, in dem der gute Geist Azorus 17 Punzel, einen einfältigen Bauern, Borste, einen Schweinehirten, Schaufel, einen Totengräber und Liesel, ein Gänsemädchen, mit Gold beschenkt, da sie allesamt der Meinung sind, sie selbst müssen auch einmal reiche, vornehme Leute sein. Caspar ist skeptisch. Nach einem Jahr stellt er fest, dass nur Liesel ein kluger und wohlthätiger Umgang mit dem Golde gelungen ist und dankt Azorus für die Lehre, dass, wer nicht Herr sein könne, eben dienen müsse.“

Brunken, Ott, Hurrelmann, Bettina, Michels-Kohlhage, Maria, Wilkending, Gisela: Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur: Von 1850 bis 1900, Stuttgart 2008, S. 1863 f.)
„Der dumme Punzel….“ war das 2. Heft in der Reihe „Puppen- und Kinder-Theater“.
Auszug aus: Jahrbuch für den Deutschen Buch-Kunst und Landkarten-Handel, Teil 1, S. 203, o. O. 1859

Friedrich August Geißler hatte seinen Verlag 1857 gegründet. Er war Buchbinder und Buchhändler und wohnte in Leipzig am Neumarkt 10. Mit seinem Sohn (oder Bruder?) Friedrich Theodor betrieb er unter dieser Adresse den Verlag F. A. Geißler und Schreibers Erben. Landkartenverlag. Friedrich Theodor hatte 1857 eine Publikation mit dem Titel „Gründung einer Buchhandlung“ veröffentlicht. Zur Familie gehörte noch Hermann Julius Geißler. Er war in der gleichen Profession tätig, wie die vorstehenden und arbeitete in Leipzig Markt 9. Im Jahr 1888 kaufte der Stenograph und Buchhändler Emil Trachbrodt den Verlag F. A. Geißler. Bekanntes Produkt des Verlages von Geissler sowie später von Trachbrodt war der „Ameisenkalender„, ein von 1838 bis 1942 jährlich herausgegebener Volkskalender.

Berlin

Die Adressbücher von Berlin der Jahre 1819, 1820 und 1822 enthalten keine Personen mit dem Familiennamen Punzel. Im Adressbuch von 1823 ist auf Seite 41 ein Kaufmann Punschel eingetragen. Er (bzw. in den letzten Jahren seine Witwe) ist auch in den Adressbüchern von 1824 bis 1868 aufgeführt.
Im Berliner Adressbuch von 1831 ist zusätzlich auf S. 537 die Rentiere M. Puntzel, wohnhaft Köpenickerstr. 84, zu finden.

Im Adressbuch von 1873 ist erstmalig eine Person mit Familiennamen Punzel verzeichnet.
R. Punzel, Klempner, Schwedterstr. 44. 18 Er ist auch im Adressbuch von 1874 zu finden. 19 Ab 1875 wohnt er in der Lothringerstr. 28, III. Etage. 20.
1877 erscheint ein weiterer Punzel im Berliner Adressbuch: A. F. Punzel, Eisenbahn Diätar, wohnhaft Münchebergerstr. 20. R. Punzel ist unter seiner vormaligen Adresse zu finden. 21 1878 ist A. F. Punzel Eisenbahn Assistent und wohnt am Küstriner Platz 3. R. Punzel hat sich wohnungsmäßig nicht verändert. 22

20. Jahrhundert

Eine Wortspielerei bildete 1928 vermutlich den Ausgangspunkt bei der Titelfindung für das Kinderbuch „Runzel-Punzel. Die Geschichte zweier Mäuslein“. Verfasser des Buches war Aleksej Michajlovič Remizov. Illustriert wurde es von Mathilde Ritter. Erschienen ist es in der Pestalozzi-Verlagsanstalt Berlin-Grunewald.

Alli-Malli-Stummelschwanz und Runzel-Punzel-Schnauzbärtchen sind die Hauptfiguren. Alli-Malli ging täglich ihrer Arbeit nach, Nahrung für den Tag zu beschaffen; die kleine Runzel-Punzel war für den Haushalt zuständig und blieb immer zu Hause. Eines Tages verließ die kleine Maus den Bau und entdeckte ein geheimnisvolles Schloss.

Abgeguckt hatte sich Remizov die Vorlage für sein Buch vermutlich von dem Kinder- und Jugendbuchautor Albert Sixtus und seiner 1924 veröffentlichten „Häschenschule“ sowie dessen nachfolgenden Häschen-Geschichten. Die Illustrationen der späteren Sixtus-Kinderbücher stammten ebenfalls zum großen Teil von Mathilde Ritter.
Aber 1930 wurde Ritter auch in den USA bekannt, wo sie Bücher des Kinderbuchautors Lois Donaldson illustrierte. 1933 gab sie mit ihm zusammen Remizovs Geschichte heraus, unter dem Titel „Runzel-Punzel. A Story of Two Little Mice“.

Es sind immer wieder Hinweise zu finden auf Personen mit dem Namen Punzel, die katholischen Glaubens gewesen seien und in Böhmen lebten. Hierbei handelt es sich um eine Verballhornung der Namensschreibweise. In Wahrheit handelt es sich um Personen mit dem Familiennamen „Punzet“.
Die Punzets lebten in dem Ort Auschowitz bei Marienbad, heute Úšovice. Das im Internet veröffentlichte Standesamtliche Verzeichnis von 1939 belegt das eindeutig.

Die Uckermärkische Linie

Die ältesten Vertreter der Linie der Punzels, von der der Verfasser dieses Textes abstammt, sind in den uckermärkischen Städten Lychen und Greiffenberg nachgewiesen.

1691 wurde Johann Nicolaus Punzel geboren. Am 14. Februar 1770 verstarb der Bürger und Zimmermann in Lychen (Uckermark). Johann Nikolaus war seit dem 12. Mai 1734 verheiratet. Die Hochzeit erfolgte in Lychen. Er und seine Ehefrau Maria Elisabeth, geb. Bäthcke hatten eine Tochter Maria Sophia (17. Mai 1746 bis 13. Mai 1831).
Verheiratet war Maria Sophia Punzel ab dem 14. November 1775 mit dem ebenfalls aus Lychen stammenden Bürger und Zimmerergesellen Carl Friedrich Jakob Rosenberg (geb. 24. Juli 1751, gest. 29. Oktober 1815). Am 20. März 1786 wurde in Lychen ihr Sohn Karl Friedrich Rosenberg geboren. Er hatte noch 5 weitere Geschwister, 2 Jungen und 2 Mädchen.

Am 20. Dezember 1789 verstarb in Greiffenberg im Alter von 55 Jahren der Zimmerermeister Johann Christian Punzel. Sein Sohn, der Zimmerergeselle Johann Friedrich Punzel, heiratete am 29. März 1803 in Greiffenberg (Uckermark) Luisa Ulrica Jungwirth, Tochter des Bürgers Johann Jungwirth. Als Zimmerermeister verstarb Johann Friedrich im Alter von 61 Jahren am 30. Oktober 1837 in Greiffenberg und wurde am 2. November 1837 auf dem dortigen Kirchhof bestattet. Seine Frau verstarb am 11. Mai 1860 im Alter von 86 Jahren und wurde am 15. Mai 1860 ebenfalls in Greiffenberg bestattet.

Am 11. September 1810 kam Carl Friedrich Punzel als Sohn des Zimmerergesellen Friedrich Punzel und dessen Ehefrau Ulrike, geb. Zaepernick am 16. September 1775, in Greiffenberg zur Welt. Ihre Eltern waren der Musketier Johann Zäpernick und dessen Ehefrau Dorothea Elisabeth, geb. Wauermann. Carl Friedrich heiratete am 19. Oktober 1834 in Berlinchen (poln. Barlinek) Johanna Henriette Schäffer, Tocher des ortsansässigen Schlächtermeisters Johann Gottlieb Schäffer. Am 30. Januar 1842 wurde in Wriezen ihre Tochter Maria Johanna Luise Punzel geboren. Am 10. September 1865 verstarb der Zimmermeister Carl Friedrich Punzel in seinem Wohnort Neudamm (poln. Dębno). Seine Ehefrau Johanna Henriette Punzel, geb. Schäffer war im Alter von 39 Jahren bereits am 4. Juni 1846 verstorben, ebenfalls in Neudamm.
Am 21. November 1812 wurde in Greiffenberg der Bruder von Carl Friedrich, Friedrich Wilhelm Punzel, geboren. Ihr Vater Friedrich war zu diesem Zeitpunkt schon Zimmermeister.
Friedrich Wilhelm heiratete Caroline Luise Emilie, geb. Rosenberg. 1839 wurde in Greiffenberg ihr Sohn Carl Friedrich Wilhelm Punzel geboren. Am 27. November 1840 kam Ludwig Wilhelm Carl Punzel zur Welt. Am 27. November 1841 wurde, laut Auszug aus dem Taufregister, Carl Friedrich Wilhelm Punzel in Greiffenberg geboren. 23
Am 18. Februar 1867 heiratete der in Königsberg/Neumark (poln. Chojna) wohnende 26 Jahre alte Zimmermeister Carl Friedrich Wilhelm Punzel in Neudamm (poln. Dębno) die am 30. Januar 1842 in Wriezen geborene und zum Zeitpunkt ihrer Heirat in Neudamm wohnende Maria Johanna Luise Punzel.
Der Vater des Bräutigams war der in Greiffenberg wohnende Zimmermeister Friedrich Wilhelm Punzel.
Die Eltern der Braut waren sein damals bereits verstorbener Onkel Carl Friedrich Punzel und dessen ebenfalls schon verstorbene Ehefrau Johanna Henriette.

Am 19. Juni 1875 zeigte der in Königsberg (Neumark) wohnende Krerisbaumeister und Raths-Zimmermeister Carl Punzel (d. i. Carl Friedrich Wilhelm Punzel) für den 18. Juni 1875 die Geburt seines Sohnes Max Paul Johannes Punzel an. Die Mutter war Maria Johanna Luise Punzel. Max Paul Johannes heiratete am 24. April 1899 in Berlin Lina Martha Auguste Berthold, geb. 10. Juli 1871. Seine Mutter Maria Johanna Luise Punzel verstarb am 27. März 1916 im St. Hedwigs-Krankenhaus in Berlin. Ihr Ehemann Carl Friedrich Wilhelm Punzel in Königsberg am 11. November 1919.

Am 25. September 1903 wurde in Berlin der Sohn von Max Paul Johannes Punzel und seiner Ehefrau Lina Martha Auguste, geb. Berthold, geboren. Er erhielt den Namen Bruno Max August Carl Punzel. Bruno Punzel besuchte von 1910 bis 1913 die Mittelschule in Pritzwalk und von 1914 bis 1920 das Realgymnasium in Berlin-Friedrichshagen. Am 20. März 1920 legte er die Reifeprüfung für die Obersekunda ab und war vom 1. Oktober 1920 bis zum 30. September 1922 in einer Ausbildung zum Kaufmann bei dem Kaufmann L. Thürnagel in Wittstock/Dosse. Er heiratete am 5. Dezember 1930 in Pritzwalk Käthe Anni Charlotte Heuck, geb. 28. Juli 1907 in Pritzwalk. Sie war die Tochter des in Pritzwalk wohnenden Pferdehändlers Richard Heuck. Seit dem 1. Dezember 1929 war Bruno Punzel Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Am 9. Oktober 1931 kam in Pritzwalk ihr Sohn, Hans-Jürgen Bruno Richard Max Punzel, zur Welt und am 17. Dezember 1932 sein Bruder, Dietrich Herbert Adolf Punzel. Vom 28. Juni 1936 bis zum 22. August 1936 diente Bruno Punzel als Freiwilliger bei der Ergänzungs-Batterie 4 auf dem Feldflugplatz in Neustettin. Am 26. August 1936 erfolgte seine Ernennung zum Unterführeranwärter des Heeres. Vom 7. März 1938 bis 6. Mai 1938 war er bei der 10. (Ergänzungs) Batterie des Artillerieregiments 3 in Frankfurt/Oder. Am 6. Mai 1938 gab es die Beförderung zum Gefreiten der Reserve. Im Mai 1940 nahm Bruno Punzel am Überfall auf Frankreich teil und erhielt dafür das Eiserne Kreuz II. Klasse. Ende 1944 wurde der Regierungsinspektor Bruno Punzel im Alter von 41 Jahren zum Wehrdienst im Artillerie-Regiment der 349. Volks-Grenadier-Division eingezogen. Es wird davon ausgegangen, dass er bei den Kämpfen seiner Einheit in Ostpreußen, „die von Mitte Januar bis Ende Februar 1945 im Raum Schloßberg und während des anschließenden Rückzuges nach BraunsbergHeiligenbeil geführt wurden, gefallen ist.“ Ab Februar 1945 galt er als vermisst. Mit Datum 31. Juli 1949 (DDR) bzw. 31. Juli 1945 (Berlin-West) wurde Bruno Punzel für tot erklärt.

Käthe Punzel verließ Pritzwalk um 1949 und zog nach Potsdam. Ihr Sohn Dietrich (bzw. Dieter) Punzel verunglückte tödlich am 20. Juni 1953, um 17 Uhr, in Potsdam. Ihr zweiter Sohn, Hans-Jürgen Punzel, lebte und arbeitete zu diesem Zeitpunkt bereits in Lautawerk (Niederlausitz). Seit dem 18. Oktober 1952 war er mit Ingeborg Bartsch verheiratet und seit dem 12. März 1953 Vater eines Sohnes, Volker Punzel. Später folgten weitere drei Söhne und vier Töchter. Sowie zahlreiche Enkel und Urenkel.

  1. https://stadtarchiv-delitzsch.de/stadtgeschichte/delitzscher-stadtchronik-1207-1990?start=1[]
  2. https://www.dwds.de/wb/Rap%C3%BCnzchen[]
  3. https://www.deutsche-biographie.de/sfz79415.html[]
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Rapunzel[]
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Grotius[]
  6. https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_Adler_Salvius[]
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Torsten_St%C3%A5lhandske[]
  8. https://dbnl.org/tekst/groo001brie12_01/groo001brie12_01_0268.php#3849T[]
  9. https://de.wikipedia.org/wiki/Boles%C5%82awiec[]
  10. https://www.google.com/search?q=Punzel-Tippla&client=firefox-b-d&ei=FLdmYcXoCOCH9u8PtPWs0As&ved=0ahUKEwjFwrz4mMfzAhXgg_0HHbQ6C7oQ4dUDCA0&uact=5&oq=Punzel-Tippla&gs_lcp=Cgdnd3Mtd2l6EAM6BwgAEEcQsANKBAhBGABQmVdYmVdg7VloAXACeACAAYkBiAGJAZIBAzAuMZgBAKABAcgBCMABAQ&sclient=gws-wiz[]
  11. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bunzlauer_Keramik.jpg[]
  12. https://www.digital.adk.de/trefferliste/detailseite/?tx_dlf%5Bid%5D=11973&tx_dlf%5Bpage%5D=1&tx_dlf%5Bdouble%5D=1&cHash=f4fe76c38693a7717f4279681311fe6f#[]
  13. Für den Begriff „Hetäre“ gibt es zwei Erklärungen: 1. Prostituierte; 2. hochgebildete, oft politisch einflussreiche Freundin, Geliebte bedeutender Männer[]
  14. https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Hosemann[]
  15. Auszug aus: Köck und Guste. Bilderbogen, Neuruppin, 2. Hälfte 19. Jh. Eigentümer: Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin[]
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCne_Neune[]
  17. http://Griechische Mythologie. Azorus soll der Steuermann der Argonauten gewesen sein und Gründer der Stadt Azorus in Pelagonien, einer Landschaft Mazedoniens.[]
  18. Adressbuch Berlin 1873, S. 642.[]
  19. Adressbuch Berlin 1874, S. 643.[]
  20. Adressbuch Berlin 1875, S. 684.[]
  21. Adressbuch Berlin 1877, S. 617.[]
  22. Adressbuch Berlin 1878, S. 704.[]
  23. Hier gibt es Unstimmigkeiten, was die Auszüge aus dem Taufregister anbelangt.[]

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