Schwimmstadion Lauta

1928 beschloss die Gemeindeverwaltung von Lautawerk den Bau eines Schwimmstadions an der Gemeindegrenze zu Schwarzkollm. Es wurde bis Mitte der 1980er Jahre genutzt. Einige Jahre später erfolgte der Rückbau des Schwimmstadions. Heute ist die Fläche fast vollständig überwuchert. Nur noch wenig erinnert an das einstige Lausitzer Badeparadies.

Das Schwimmbad und seine Einrichtungen

Beschreibung der Situation Ende der 1960er Jahre

Der Eingang zum Schwimmstadion bestand aus einem Kassenhäuschen und kurz dahinter befindlichen Anlagen zum Einstellen von Fahrrädern. Ein breiter Weg führte auf das Gelände, vorbei an einem naturbelassenen Badeteich auf der linken Seite – auch als Nichtschwimmer bezeichnet – und an einer Eiche auf der rechten Seite mit darunter befindlicher Liegefläche.
Um den Badeteich gab es begrünte Liegeflächen und Sandstrand. Auf der östlichen Seite hölzerne Umkleidekabinen. Hinter der Eiche zog sich nach Süden eine aus Sand aufgeschüttete Erhebung entlang. Sie trennte eine große, für sportliche Aktivitäten – wie z. B. Fußball – genutzte Wiese mit darum verlaufender Aschenbahn und Sprunggrube zum Weitspringen von den Schwimmbecken ab. In der Mitte der Erhebung befand sich ein Kampfrichterturm mit Uhr. Während der Hügel auf der Seite zur Sportwiese mit einfachen Sitzgelegenheiten versehen war, gab es auf der Seite zu den Schwimmbecken hin eine gemauerte Terrassenanlage mit festen Sitzplätzen für Sportveranstaltungen.

Es gab drei aus Beton bestehende Wasserbecken.
Rechts neben dem Hauptweg zunächst ein Becken für Schwimmanfänger und Freizeitbader, Länge 25 m. Daneben befand sich ein 50 m langes Becken für Schwimmwettkämpfe mit sechs Bahnen. Den Abschluss bildete das Sprungbecken (Länge 25 m) mit zwei 1 m-Sprungbrettern und einem Sprungturm, der über ein 3 m-Brett und eine 5 m-Sprungfläche verfügte. Alle drei Becken hatten ursprünglich, als sie noch nicht so getrennt waren, eine Gesamtlänge von 131 Meter. Nunmehr nahmen sie 100 m ein. Der Rest wurde auf die Laufflächen ober- und unterhalb der Becken verteilt, sowie auf die zwei zwischen ihnen befindlichen Betonwege.
Die Betonbecken entstanden in den 1950er/60er Jahren im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW). Im Rahmen des NAW entstanden (vermutlich) auch die gemauerte Terrassenanlage und der Uhrenturm.

Auf dem Hauptweg weiter gehend, kam der Besucher zu einem Gebäude, in dessen Erdgeschoss sich eine Gastwirtschaft mit Innen- und Außenbewirtschaftung befand. Des Weitereren befanden sich im Erdgeschoß Küchenräume, Wirtschaftsräume und Fenster für die Esssenausgabe bei im Schwimmbad stattfindenden Veranstaltungen. Im Obergeschoss waren die Wohnräume und das Dienstzimmer des über die gesamte Saison im Schwimmbad anwesenden Bademeisters. Bislang noch erinnerliche Namen von Schwimmmeistern aus den sechziger bis 80er Jahren sind Kurt Sucker und Werner Pratzer.
Vor der Gaststätte gab es (unter Kastanienbäumen?) eine Außenbewirtschaftung mit Holztischen und -stühlen. Mit Blick zu den Schwimmbecken.

Südlich der Gaststätte befanden sich das geflieste Planschbecken für die Kleinstkinder, ein Spielplatz sowie eine Baracke, die für kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde, vor allem aber für die jeden Sommer in mehreren Durchgängen durchgeführten örtlichen Ferienspiele bzw. Schwimmlager.
Während der sommerlichen örtlichen Ferienspiele, die in mehreren Durchgängen stattfanden, war die Situation wie folgt:
Von Montag bis Sonnabend, wochentags von 9 Uhr bis ca. 16 Uhr und am Sonnabend bis 12 Uhr wurden die schulpflichtigen Kinder im Alter von (…. bis 14 Jahren) dort betreut. Sie erhielten Mittagessen und Vesper, es gab eine Vielzahl von kulturellen, sportlichen und anderen Freizeitaktivitäten. Sie lernten schwimmen und konnten sich ausreichend im Wasser aufhalten. Nach dem Mittagessen war Mittagsruhe. Sonnabends ware am Vormittag Kino in den „Regina-Lichtspielen“. Filmvorführung und Abschluss mit Ausgabe von Pfannkuchen bzw. anderer Backware.

Technische Grundlagen

Das Wasser für das Schwimmstadion wurde in den Jahren vor 1945 und auch noch viele Jahre danach fast vollständig dem östlich vorbeifließenden Wasserlauf entnommen. Im Volksmund wurde er “Drechslergraben“ genannt. Er war ein Teil des Schleichgrabens.

Das Wasser kam in so genannte Vorfluter, kleine Gräben, in denen es vorgewärmt wurde. Das vorgewärmte Wasser floss in die einzelnen Becken und aus diesen wiederum technisch reguliert und kontrolliert in den Nichtschwimmerteich und aus diesem (biologisch geklärt) zurück in den Graben.

In den 1950er bzw. den 1960er Jahren wurde Wasser zusätzlich einem Tiefbrunnen entnommen, dessen technische Anlagen sich neben dem Sprungturm befanden.

Mit der weiteren Aufschüttung der südlich vom Schwimmbad befindlichen Rotschlammhalden und zusätzlich beieinflusst durch den generellen Anstieg des Grundwassers in Verbindung mit der Flutung der ehemaligen Grube Erika drückten immer mehr Schadstoffe in das Grundwasser, verunreinigten dieses und machten es für eine weitere Nutzung als Badewasser unbrauchbar. Zunächst versuchte man den Mangel mit der Nutzung von aus dem Trinkwassernetz entnommenen Wasser zu überdecken. Das sehr kalte Wasser musste sich aber erst in den Schwimmbecken erwärmen, wodurch diese nur teilweise für den Badebetrieb nutzbar waren.

Entwicklung des Schwimmstadions

Über die Entwicklung des Schwimmstadions Lauta ist bislang nicht geforscht worden. Zumindest liegt nichts in veröffentlichter oder der Öffentlichkeit in anderer Weise bekannt gemachter Form vor.

Die bislang bekannten Bruchstücke ergeben folgendes Bild.

Der Bau des Schwimmstadions, als Kombination von Schwimmbad und Stadion, geht auf einen Beschluss der Gemeindevertretung von Lautawerk zurück, vermutlich aus dem Jahr 1928. Baubeginn für das an der Gemeindegrenze zu Schwarzkollm gelegene Schwimmbad war (vermutlich) in der ersten Hälfte des Jahres 1928. Als Fertigstellungstermin war der 15. August 1929 vorgesehen.

Nach einer anderen Quelle soll das Freibad 1926 vom Sportverein des damaligen VAW-Aluminiumwerks erbaut worden sein.

Am 17. September 1929 veröffentlichte der „Senftenberger Anzeiger“ einen Beitrag mit dem Titel „Das neue Stadion in Lautawerk„:

Ein ca. 25 Morgen großes Geländestück, idyllisch inmitten von rauschendem Kiefernwald und saftiggrünen Wiesen gelegen, aber auch abgeschlossen von jedem störenden Verkehr ist für den Bau einer großzügigen Sportplatzanlage vorgesehen. Die Firma Thießeler-Sagan, die mit den Ausbauarbeiten beauftragt ist, hat auch hier feststellen können, daß der Moorboden jahrhundertealte Geheimnisse in sich birgt, die eine beträchtliche Verzögerung der Arbeiten, die bereits am 15. August beendet sein sollten, mit sich brachten. Trotzdem gehen die Arbeiten jetzt mit guten Fortschritten ihrer Vollendung entgegen. Der Sportplatz ist gegen unvorhergesehene Niederschläge erhöht gelagert und mit Drainage versehen und entspricht in seinen Ausmaßen nach einem Gutachten der Hochschule für Leibesübung allen sportlichen Anforderungen. Die 400-Meter-Laufbahn umschließt den Platz, während die 100-Meter-Bahn am Fuße der Zuschauertribüne errichtet ist. Die Zuschauertribüne erhebt sich in vier Absätzen etagenförmig zwischen dem Sportplatz und den großen Schwimmbecken. Das Schwimmbassin ist an der Stelle, wo der Sprungturm und die Startbrücke errichtet wird, 3,80 Meter tief und steigt bei einer Länge von 131 Meter und einer Breite von 27 Meter bis tief auf 2 Meter Wasserhöhe an. Anschließend befindet sich ein geräumiger Sandplatz für das Sonnenbad, desgleichen der Vorwärmeteich: hier wird die Hälfte des Beckens betoniert, erhält einen Wasserstand von 25 Zentimeter und ist als Tummelplatz für die Kleinsten vorgesehen. Für die Nichtschwimmer hat man ein Bassin von 60-160 Zentimeter Tiefe vorgesehen. Die drei Bassins sind miteinander verbunden. Die Frischwasserleitung geschieht in einem Kreislauf, doch kann auch jedes Becken enzeln für sich bewässert und abgelassen werden. Das gesamte Gelände, auch der Teil, der erst mit den Jahren zum Ausbau gelangt, wo Plätze für Tennis, Handball, Schlagball usw. vorgesehen sind, wird planiert, mit Wegen versehen, desgleichen werden Grünanlagen mit Sträuchern und Bäumen geschaffen, die noch in diesem Herbst angelegt werden und dem ganzen Grundstück einen parkähnlichen Charakter geben. Um die Ausführung der gärtnerischen Arbeiten haben sich die Landschaftsgärtnerei Spät-Berlin, Junglaus-Frankfurt a. d. O., Neumann-Senftenberg und Kunick-Lautawerk beworben und Kostenanschläge sowie Vorschläge für die Bepflanzung an die Gemeinde eingereicht. Die erforderlichen Bauten, der Startbrücke, Sprungturm, Ankleideräume usw. werden erst im Frühjahr ausgeführt. Gleichzeitig wird ein Parkplatz für Autos und Motorräder und ein Fahrradstand eingerichtet und das gesamte Badeanstaltsgelände mit einem Maschendrahtzaun umgeben. Die Anlage, die im kommenden Frühjahr der Oeffentlichkeit zur Benutzung übergeben wird, bietet allen eine günstige Gelegenheit, aufbauende Körperkultur, Jugenderziehung und Jugendpflege zu betreiben. Aber auch der gesamten Einwohnerschaft wird durch das Kulturwerk, welches die Gemeinde Lauta geschaffen hat, Gelegenheit geboten, sich nach des Tages Last und Arbeit auf dem Gelände zu erholen. Hoffen wird, daß auch die neue Gemeindevertretung von demselben Geist beseelt ist und das Werk, welches zum Wohle der Allgemeinheit errichtet worden ist, vollenden wird.

Als Reaktion auf diesen Beitrag wandte sich am 19. September 1929 Kurt Norgall aus Lautawerk an den „Senftenberger Anzeiger“ mit der Bitte, einen von ihm verfassten Leserbrief zu veröffentlichen. Er war Abteilungsleiter im Lautawerk und, bis zu seiner Ablösung im April 1942, Vorstandsvorsitzender der „Heimstätten eGmbH Lautawerk, Kreis Calau“. Norgall schrieb:

Das neue Stadion in Lautawerk
Schon öfters haben Zeitungsnachrichten über das Stadion in Lautawerk berechtigtes Aufsehen in weiten Leserkreisen erregt, denn ein Stadion in derartigen Ausmaßen ist doch keine Anlage, die man sonst in Dörfern antrifft, sondern die sich im allgemeinen nur große und reiche Städte leisten können. Ein drainierter Sportplatz (die übrigen 3 Sportplätze in Lautawerk leiden nicht unter Grundwasser), mehrere Laufbahnen, mehrere Schwimmbassins mit Sprungtürmen und Brücken, Sonnenbäder und Tummelplätze umschlossen von Anlagen und Drahtzaun, dazu Parkplätze für Autos und Motorräder, alles für Lautawerk. Ja, man kann sagen: „Großartig, wirklich großzügig!“ Da kann Körperkultur und manches andere betrieben werden! Von der Großartigkeit kann man sich einen Begriff machen, keinen Begriff jedoch von den Kosten! Leider ist über diesen zwar unangenehmen aber doch auch wichtigen Punkt nichts Genaues zu erfahren. Augenscheinlich interessiert es die Gemeindevertretung, deren Bestimmung es ja ist, Geld auszugeben, das Geld anderer Leute notabene, auch weniger, wo und wie das Geld dazu aufgebracht wird, als vielmehr, wie es großzügig ausgegeben werden kann. Man hört etwas von Rückstellungen, die aus den Mitteln des ordentlichen Etats gemacht sind. Der Etat muß also jeweils reichlich bemessen gewesen sein: Seit wann aber kann eine Gemeinde die Steuerschraube, die nur zur Befriedigung der laufenden Ausgaben angezogen werden sollte, so anspannen, daß auch so ganz nebenbei noch Rückstellungen für neue Anlagen gemacht werden können, die in die Hunderttausende gehen und deren laufende Unterhaltung den Etat später dauernd erheblich weiter belastet. Anscheinend ist die Kostenfrage so dunkel, daß man hierüber am liebsten schweigt, oder sollte die Gemeinde doch den Mut aufbringen, die Oeffentlichkeit hierüber zu informieren? Man fragt sich aber: „Wo bleibt die Aufsichtsbehörde, nämlich der Kreis mit dem Herrn Landrat Freter an der Spitze und die Regierung in Frankfurt a. O.?
Sollte sie so schwach sein, daß sie die Verfügung des Herrn Innenministers über sparsames Wirtschaften bei den Gemeinden nicht durchzusetzen vermag?“ Hoffen wir, daß die neue Gemeindevertretung nicht von demselben Geiste beseelt ist, der heute herrscht, und im Interesse und zum Wohle der Allgemeinheit sparsamer und haushälterischer mit oeffentlichen Mitteln umgeht und die Oeffentlichkeit auch daüber unterrichtet, was „großzügige“ Anlagen kosten.

Am 17. November 1929 waren in Deutschland Kommunalwahlen.
Die neue Gemeindevertretung von Lautawerk musste sich mit dem Stadion-Projekt befassen. Vermutlich entsprang es ihrer Initiative, ein Gutachten dazu anfertigen zu lassen. Am 3. Dezember 1929 lag das „Gutachten über die Stadion-Anlage der Gemeinde Lauta“ vor. Wer es anfertigte, ließ sich bislang nicht herausfinden. Das Ergebnis war jedoch fatal. (siehe dazu den Abschnitt „Das Gutachten vom 3.12.1929) Dennoch gingen die Bauarbeiten konsequent weiter.

Die Einweihung des Schwimmstadions erfolgte am 15. Juni 1930. Das Programm für die Feierlichkeiten veröffentlichte der „Senftenberger Anzeiger“.

Programm der Eröffnung. (Archiv Matthias Gleisner, Senftenberg)

Der „Senftenberger Anzeiger“ berichtete in seiner Ausgabe vom 16. Juni 1930 ausführlich über das Ereignis.

Einweihung der Badeanstalt im Stadion Lautawerk.
Ueber 6000 Besucher. – Glänzender Verlauf der gesamten Veranstaltung.
Endlich ist durch die feierliche Eröffnung die neue Badeanstalt im Stadion für die Oeffentlichkeit zur Benutzung freigegeben. In früher Morgenstunde wurde durch das Wecken des Tambourkorps der Freien Turn- und Spielvereinigung der seltene Festtag eingeleitet. Das herrliche Wetter erhöhte die Festesfreude und um die Mittagsstunde, als die Hitze fast ihren Höhepunkt erreicht hatte, setzten sich ungeheure Menschenmassen in Bewegung und gruppierten sich nach ihrem Eintreffen im Stadion um das große Schwimmbassin. Vor der Volksschule Nord formierte sich der Festzug der Schulkinder, zu dem man auch die Kinder von Dorf Lauta per Auto heranbrachte, und setzte sich gegen 13 Uhr unter Vorantritt der Spielleute der Freien Turnerschaften Lautawerk und Hoyerswerda und der Dienwiebelschen Kapelle in Bewegung. Die Deutsche Turnerschaft 1926, das Männerquartett V.A.W. und der Turnverein Germania Lauta folgten unter Vorantritt der Koarschen Kapelle und zogen nach Siedlung Süd. Hier reihten sich die Turn- und Spielvereinigung, die freien Schwimmer von Senftenberg, Görlitz, Finsterwalde, Spremberg, Kamenz, Großräschen und Zschipkau sowie das Reichsbanner „Schwarz-Rot-Gold„, der Arbeiter-Gesangverein, der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund „Solidarität“ und das Arbeiter-Sportkartell in den Festzug ein. Der imposante Zug mit Wimpeln, Fahnen und Standarten und der farbenfreudigen Tracht der Sportler wirkte prächtig. Gegen 14 Uhr traf man im Stadion ein, wo bereits recht reges Leben herrschte. Der offizielle Teil der Feier wurde durch ein Musikstück eingeleitet. Anschließend wurde vom Arbeiter-Gesangverein das Lied „Empor zum Licht“ und vom Männerquartett V.A.W. „Zieh mit“ vorgetragen. In der Festansprache führte Gemeindevorsteher Gründlich aus: Wenn der Mensch auf seinem Lebenswege eine Etappe, ein Zwischenziel erreicht hat, so ist es für ihn ein Ereignis; das gleiche trifft am heutigen Tage für die Gemeinde zu. Der erste Teil des Stadions wird der Oeffentlichkeit zur Benutzung freigegeben, dem im Frühjahr nach Erstarken der jungen Saat die gesamte Anlage folgen soll. Mit dem heutigen Tage ist aber auch ein Ziel erreicht, dessen sich die Gemeinde nicht zu schämen braucht, zumal man bestrebt ist, das zu erreichen, was ältere Gemeinden auf diesem Gebiete bereits geschaffen haben. Viele sind an diesem Erfolge beteiligt, den sich nicht allein die jetzige Vertretung zuschreiben kann. Denn sie konnte nur aufbauen auf den Grundlagen, die von früheren Vertretungen geschaffen wurden. Lauta als Grenzgemeinde der Provinz Brandenburg, ein wirtschaftlicher Mittelpunkt durch die vorhandenen Werke, deren Belegschaft sich aus den Bewohnern der Umgebung rekrutiert, hat auf nachbarlichem Gebiet der Provinz Schlesien, innerhalb der Gemarkung der Gemeinden Laubusch und Schwarzkollm diese Anlage geschaffen, nicht nur für den hiesigen Ort allein, sondern für die gesamte Umgebung. Er begrüßte den Kreisjugendpfleger Zech, Hoyerswerda, sowie die Vertreter vom Amtsbezirk Laubusch und Schwarzkollm und die der Gemeinden Laubusch, Schwarzkollm und Leippe und deren Beamte aufs herzlichste, desgleichen den Bezirksjugendpfleger Aurin, Frankfurt a. d. O., Reg.-Assessor Behringer, der an Stelle des erkrankten Landrats Freter erschienen war, Wohlfahrtsdirektor Käber und Jugendamtsleiter Pelle. Verhindert am Erscheinen waren Landrat Saling, Hoyerswerda, Regierungsrat a. D. Gerstein, Cottbus, Kreisbaumeister Gotheimer, Kreisjugendpfleger Matzky, Thieseler, Sagan, sowie die V. A. W. und die Elektrowerke, die Glückwunschschreiben übermittelten. Zahlreicher Besuch bewies das große Interesse, das man diesem großen Kulturwerk weit und weit entgegenbrachte. Nach Abstattung des Dankes an alle übergab der Gemeindevorsteher die Badeanstalt ihrer Bestimmung. Aus den weiteren Ansprachen von Reg.-Assessor Behringer, Bezirksjugendleiter Aurin, der die Grüße des Regierungspräsidenten übermittelte, Lehrer Pfeiffer (Volksschule Lautawerk), Stephan (Deutsche Turnerschaft) und Karich, Senftenberg, als Vertreter der Arbeitersportler war ersichtlich, daß man lobend anerkannte, daß die Gemeinde in der an Naturschönheiten armen Gegend inmitten der märkischen Landschaft die ideale und großzügige Sportanlage geschaffen hat. Man appellierte an die Jugend, hob anschließend die obligatorische Einführung des Schwimmunterrichts für die Schulkinder hervor und bestimmt ist die ernste Mahnung „Werdet Rettungsschwimmer“ nicht nutzlos verhallt, damit das Ziel der Deutschen Rettungsgesellschaft, die gemeinsam mit den deutschen und den Arbeiterturnern den Sicherheitsdienst errichten will, erreicht wird. Erwähnenswert ist noch die Mitwirkung der Eigenheimgenossenschaft, durch die es gelang, die Baulichkeiten und die Gesamtanlagen zur rechten Zeit fertig zu stellen. Der Einwohnerschaft wird auch zur Kenntnis gebracht, daß für diese Woche kein Eintrittsgeld erhoben wird. Der Arbeitergesangverein und das Männerquartett V. A. W. trugen je ein Lied vor und der offizielle Teil der Veranstaltung hatte sein Ende erreicht. Hieran anschließend fanden die interessanten Wettkämpfe der Schwimmer statt, die mit großer Aufmerksamkeit  von den Besuchern verfolgt wurden. Erwachsene, Jugendliche und Kinder tummelten sich im Nichtschwimmerbassin, während die kleinsten der Kleinen im Planschbecken sich die ersehnte Abkühlung verschafften. Rutschbahn, Karussel und Schaukelbalken waren ständig in Betrieb und von einer zahlreichen Kinderschar belagert. Groß war die Belustigung und groß das Vergnügen, zumal die Gemeinde durch die kostenlose Abgabe von 500 Glas Zitronenwasser für die Kinder bemüht war, den entstandenen Durst zu löschen. Außerordentlich bedauerlich ist es aber, daß alle Mahnungen, ja selbst der drastische Spruch:
Lieber Freund, merk` dir das,
Geh` nicht übers grüne Gras,
Damit man dich ohne Müh`
Unterscheiden kann vom Vieh!
der am Eingang angebracht ist, bei einem Teil der Besucher, die gedankenlos über die Grasflächen am großen Schwimmbecken liefen, die erwartete Wirkung verfehlten.“

Originaltext des „Senftenberger Anzeigers“. (Archiv Matthias Gleisner, Senftenberg)

Der nachfolgende im Beiblatt „Lautawerks-Anzeiger“ der Zeitung „Senftenberger Anzeiger“ am 4. September 1930 veröffentlichte Leserbrief stammt vermutlich auch von Kurt Norgall. Zumindest weist er von der Diktion her Ähnlichkeiten mit dem Leserbrief vom 19. September 1929 auf.

Um die neue Badeanstalt im Stadion der Gemeinde Lauta.
Als am 16. Juni das Stadion und damit zugleich auch die Badeanstalt mit großem Tamtam und vielen Reden eingeweiht wurden, war die Meinung die, daß die Beschaffenheit des Wassers in den Schwimmbecken, das damals schon eine schmutzig-braune Färbung zeigte, sich mit der Zeit bessern würde. Nachdem nun das Schwimmbad seit 2 1/2 Monaten in Betrieb ist, sich noch immer keine Besserung gezeigt hat, wäre es interessant zu wissen, was die Gemeinde zu tun beabsichtigt, um diesen geradezu unhaltbaren Zustand zu beseitigen.
Es läßt sich darüber streiten, ob es richtig war, daß in der jetzigen Zeit, wo die Parole „Sparsamkeit“ obenan stehen sollte, ein Stadion und eine Badeanstalt von einer Landgemeinde in einem Ausmaß errichtet wurde, wie sie selbst nicht einmal bei Städten bis zu 50 000 Einwohnern vorhanden sind. Es müßte dann aber, wenn schon einmal das Geld ausgegeben wird, bei der Gemeinde soviel Verantwortungsgefühl vorhanden sein, daß sie eine Anlage schafft, die auch wirklich und vollkommen dem gewollten Zweck entspricht. – Eine ganze Reihe Badelustiger kehrt heute wieder, von der neuen Badeanstalt enttäuscht, zu den viel einfacheren Badegelegenheiten in Torno und Tätzschwitz zurück; denn jemand, der auf Reinlichkeit achtet, muß nach dem Schlammbad in der neuen Badeanstalt ein Wannen-Reinigungsbad nehmen. Es liegt also der Fall vor, daß Hunderttausende ausgegeben worden sind, ohne daß der Zweck erreicht wurde.
Nachdem die Erbauung der Badeanstalt bei den jetzigen Wasserverhältnissen zweifellos ein Fehlschlag ist, so wäre es interessant zu wissen, wer für den Schildbürgerstreich, eine Badeanstalt zu bauen, die wegen des Wassers gar kein richtiges Baden gestattet, verantwortlich ist. Welche Garantien hat sich die Gemeinde von der ausführenden Baufirma geben lassen und welche Schritte hat sie seitdem unternommen, um sich gegen die jetzt eintretenden Uebelstände zu sichern? Was hat der Herr Landrat oder die Regierung in Frankfurt in Wirklichkeit dagegen getan, daß Gelder im Widerspruch mit allen vom Minister gegebenen Sparerlassen für einen Zweck verschleudert wurden, der gar nicht erreicht worden ist? Es wäre im Interesse der sonst immer von den Linksparteien gewünschten Oeffentlichkeit notwendig, daß die Gemeinde Lauta sich rechtfertigt. Oder ist ihr Stillschweigen dahin zu erklären, daß sie den Mut nicht aufbringt, Fehler, die sie gemacht hat, zu bekennen?

Unter der Überschrift „Was kostet das Stadion?“ ging der „Lautawerks-Anzeiger“ am 23. September 1930 detaillierter auf die Kosten des umstrittenen Bauwerks ein:

Für den Erwerb des Stadiongeländes einschließlich der erforderlichen Grabenparzellen von den Herren Michling, Richter und der Witwe Höhna sind RM 27.721.- verausgabt. An Unkosten für die Vermessung, Katasterauszüge, Gerichtskosten, Grunderwerbsteuersicherheit und sonstige Abgaben mußten RM 2.635.- aufgebracht werden. Der Ankauf der Ergänzungsgrundstücke, die rechts vom Stadiongelände liegen, auf dem der Trainingsplatz errichtet werden soll, erforderte einschließlich der Auflassungs- und Eigentums-Übertragungskosten RM 12.494.-. Für den Bau der Badebecken, Tribüne, Sportplatz nebst Laufbahn, sowie die Planierungs- und Drainagearbeiten usw., die von der Firma Tiesler-Sagan ausgeführt wurden, sind einschließlich der Entwürfe RM 103.832.-, für den Umkleide- und Erfrischungsraum, Zementeinfassung der Böschung, Brücke usw., die von der Firma Hager, Lauta, ausgeführt sind, wurden RM 13.617.- und an die Firma Schneider, Bernsdorf, sind für den Bau des Abortgebäudes, Fahrradschuppens, Kassenhäuschens, Sprungturmes, Startbrücke, Laufstege usw. RM 7.268.- verausgabt worden. Alle anderen Arbeiten, wie die Einfriedigung, gärtnerischen Anlagen, Malerarbeiten, Installations-, Klempner- und Aufräumungsarbeiten, sowie die erforderlichen Anschaffungen von Einrichtungsgegenständen, Spielgeräten usw. kosten RM 17.203.-. Die bisherigen Gesamtausgaben für den Geländeerwerb und den Ausbau der Anlagen betragen RM 184.770,-. Hiervon sind bis jetzt RM 140.093,75 bezahlt, sodaß noch eine Schuld von RM 44.677,95 zu begleichen ist.

Bei einem Vergleich der Ausgangssituation bei der Eröffnung des Schwimmstadions am 16. Juni 1930 und seinem Zustand ab den 1950er Jahren zeigt sich, dass in der Zwischenzeit zahlreiche Veränderungen vorgenommen worden sein mussten und zwar so, wie sie im Gutachten vom 3. Dezember 1929 vorgeschlagen worden waren und man damit auch der Kritik Norgalls entsprach.

Der Bademeister Kurt Sucker schrieb 1965, dass das Bad als „Naturbad ohne massive Mauern um die Wasserfläche“ gebaut worden war, mit einem Fünf-Meter-Turm aus Holz. Nach 1933 wäre die Wasserfläche mit Betonmauern eingefasst worden und der Turm aus Beton neu gebaut.

Gutachten vom 3.12.1929

Das von der Gemeindevertretung Lautawerk in Auftrag gegebene Gutachten hatte mit einer Schlußfolgerung geendet, die alles andere als verheißungsvoll war. Die Gutachter wies aber auch darauf hin, dass sich die Entwicklung positiv gestalten ließe. Vorausgesetzt man würde die von ihm verfassten Hinweise beachten und umsetzen.

Die Lage

Für die Anlage eines Stadions ist in erster Linie die Wahl eines Platzes wichtig, welcher durch die Beschaffenheit des Geländes für eine derartige Anlage brauchbar und so zentral gelegen ist, daß er von allen Ortsteilen, deren Bewohner für die Benutzung des Stadions in Frage kommen, gleich günstig zu erreichen ist. Beide Voraussetzungen sind nicht hinreichend erfüllt.
Auf die ungünstige Beschaffenheit des Geländes wird weiter unten bei der Beschreibung der Anlage einzugehen sein. Nach dem Lageplan der Gemeinde konnte die Lage des Stadions zentraler sein, um der werktätigen Bevölkerung die Wege zur Erholung so kurz wie möglich zu gestalten. Die Gemeinde Lauta zerfällt bekanntlich in 3 Ortsteile, und zwar Lauta-Dorf mit ca. 640 Einwohnern, Lautawerk-Nord mit ca. 2400 Einwohnern und Lautawerk-Süd mit ca. 2000 Einwohnern. Das jetzige Stadion liegt etwa 1 km südlich von dem äußersten Ende des Ortsteiles Lautawerk-Süd, also demjenigen Ortsteil am nächsten, welcher eine geringere Einwohnerzahl als Lautawerk-Nord hat. Der Ortsteil Lauta-Dorf kann außer Betracht bleiben, weil der Weg von dort zum Stadion, welcher bei der jetzigen Lage ca. 6 km beträgt, in jedem Falle so weit sein würde, daß eine Benutzung des Stadions praktisch wegen zu großer Entfernung kaum in Frage kommt. Die Entfernung des Stadions von Lautawerk-Nord, welches die größte Einwohnerzahl aufweist, beträgt ca. 3,5 km, was einem Fußweg von mindestens 1 1/2 bis 2 Stunden hin und zurück entspricht.
Bei der heutigen Lage wird also wahrscheinlich das Stadion überhaupt nur von den Bewohnern von Lautawerk-Süd benutzt werden, denn es ist kaum anzunehmen, daß die Bewohner von Lautawerk-Nord auf die Dauer den verhältnismäßig weiten Weg zurücklegen werden, um zu dem Stadion zu gelangen, zumal sich in nächster Nähe der Kolonie Nord die früheren Sportplätze befinden, deren Ausbau übrigens am Naheliegendsten gewesen wäre.
Die Erfahrungen haben gelehrt, daß der Besuch einer Sport-Anlage nur dann ein reger ist, wenn diese in möglichst kurzer Zeit zu erreichen ist und wenn auf der Anlage die Einrichtungen vorhanden sind, die das Publikum gern haben möchte. So wäre ein Bad ein gewisser Anziehungspunkt, wenn aber das Sonnenbad mit Einrichtungen zum Spielen als auch angenehme Brausen und Umkleideräume fehlen, wird es beim Publikum nicht viel Freude erwecken. Das Bad kann aber im Jahre höchstens 4 1/2 Monate Betrieb haben, während die Einrichtungen des Sportplatzes das ganze Jahr hindurch zu brauchen sind, sodaß bei einer Sportanlage zunächst Wert auf den Sportplatz und erst dann auf eine Bademöglichkeit gelegt wird. Ein Bad muß am Wasser liegen, ein Sportplatz wird aber dort am besten angelegt, wo die größte Frequenz gewährleistet wird. Auf die örtlichen Verhältnisse im Ort Lauta angewendet, könnte der Sportplatz zentral liegen, um den Schulen und dem Publikum Gelegenheit zum schnellen Besuch zu geben, während das Bad in kleiner, anziehender Form am jetzigen Bach gebaut worden wäre.
Nicht unerwähnt möge bleiben, daß die sportliche Anlage nicht mehr innerhalb des Gebietes der Gemeinde Lauta liegt, sondern im Bezirk der Gemeinde Laubusch/Schlesien, sodaß in steuerlicher Hinsicht etwaige Einnahmen aus dem Stadion nicht einmal der Gemeinde Lauta zufließen.

Größe und Anlage des Stadions

Die gesamte Sportanlage kann heute nicht mehr geändert werden und weist im Vergleich zu der Einwohnerzahl der Gemeinde Lauta durch die unzweckmäßigen Bademöglichkeiten und Tribünen viel zu große Dimensionen auf. Sie wird niemals voll ausgenutzt werden können, besonders auch in Hinblick darauf, daß sie infolge ihrer unglücklichen Lage praktisch nur von den Bewohnern des Ortsteiles Lautawerk-Süd benutzt werden wird.
Die Gesamtanlage umfaßt jetzt schon ohne das später noch hinzuzufügende Uebungsgelände ca. 60.000 qm; selbst wenn man die gesamte Einwohnerzahl von ca. 5.000 Personen in Betracht zieht, wäre dies
12 qm Fläche je Kopf der Bevölkerung,
während der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen 3 qm für ausreichend hält und sich 5 qm als das zu erstrebende Ziel gesetzt hat.
Was die Beschaffenheit des Geländes und die Anlage des Stadions selbst anbelangt, so sei zu den einzelnen Anlagen folgendes bemerkt:

Spielplatz

Der Spielplatz liegt tiefer als seine Umgebung; eine normale Böschung von etwa 1 zu 1 1/2 vermittelt die Differenz zwischen Spielplatz und Weg. Dieser Weg geht um die ganze Aschenlaufbahn herum und soll dem Publikum, das dem Spiel oder Training zusieht, zum Aufenthalt dienen. Auch an der Längsseite, an der die Terrassen gebaut sind, geht der Weg in derselben Breite umn den Platz herum, obwohl er niemals gleichzeitig als Weg und als Zuschauerraum dienen kann, denn die Zuschauer der Terrasse können nur schlecht über die Zuschauer, die auf dem Wege stehen, hinwegsehen, und es wird außerdem imnmer sehr störend wirken, wenn zwischen Tribüne und Sportplatz Verkehr herrscht.
Man hätte ohne größeren Geldaufwand hier eine bessere Lösung finden können, zumal doch nur durch größere Veranstaltungen nennenswerte Einnahmen erzielt werden können.
Der ganze Spielplatz ist noch in unfertigem Zustand und wird noch gründlicher Durcharbeitung bedürfen, um für seine Zwecke geeignet zu sein. Eine gute, feste Grasnarbe muß das Ziel sein. Auch müssen die Sprung- und Wurfmöglichkeiten im Innenraum geschaffen werden.

Die Laufbahn

Die um den Spielplatz herumführende Aschenbahn ist noch nicht fertiggestellt. Die Arbeiten lassen erkennen, daß auf eine wirklich sachgemäße Anlage dieser Bahn nicht die unbedingt notwendige Sorgfalt bezüglich Schichtung des in seiner Körnung verschiedenen Baumaterials gelegt wird. Nach der Zeichnung ist die Laufbahn, 30 cm von der Innenkante gemessen, 403,08 m. Eine Umarbeitung der Bahn ist erforderlich, damit das vorschriftsmäßige Maß von 400 m erreicht wird. Zur Erhaltung der Laufbahn, des Rasens und der Anlagen ist eine Besprengungsanlage unbedingt erforderlich.

Schwimmbad von 100 m Länge

Dieses Bassin weist 5 grundlegende Fehler auf, und zwar:
1. erhält es seinen Frischwasserzulauf aus dem Becken für Nichtschwimmer,
2. ist die Entwässerung des an der Oberfläche schwimmenden Schmutzes nur an den vier Ecken des Bassins möglich. Die schlechtesten an der Oberfläche schwimmenden Bestandteile können daher nicht genügend abgeleitet werden. Das Unterwasser kann nur durch ein etwa 1,5 m tief liegendes Abflußrohr entfernt werden, sodaß das tieferstehende Wasser überhaupt keine Ablußmöglichkeit besitzt,
3. bestehen die Ränder aus Sandboden, der einmal wasserdurchlässig ist und zudem von Badenden sehr leicht heruntergetreten wird. Die Nichtbefestigung der Beckenränder wird zur Folge haben, daß das Becken in kurzer Zeit verschlammt, wenn nicht öfter gründliche und recht kostspielige Reinigungsarbeiten vorgenommen werden,
4. fehlen Sprungbretter,
5. falls es für sportliche Zwecke verwendet werden soll, müssen die Startmöglichkeiten für 50 und 100 m eingebaut werden.

Becken für Nichtschwimmer

Dieses Becken umfaßt rund 2.400 qm, ist also im Verhältnis zu der Bewohnerzahl reichlich groß bemessen. Kleinere Abmessungen dieses Beckens hätten einmal den Vorzug gehabt, erhebliche Beträge bei der Anlage zu sparen und andererseits zu verhindern, daß das aufgewühlte Wasser des Nichtschwimmerbeckens das Hauptschwimmerbecken nicht zu stark verschmutzt.

Planschbecken für Kinder

Das Planschbecken für Kinder kann als angemessen bezeichnet werden, der Zu- und Abfluß ist aus der Zeichnung nicht zu ersehen.

Die Vorwärme-Teiche

Die Anlage dieser beiden Teiche, die wahrscheinlich erhebliche Kosten verursacht hat, hätte unterbleiben können, ohne daß dadurch die Gesamtanlage nachteilig beeinflußt worden wäre. Der Bach, der das Wasser für die ganze Anlage liefert, ist ein ausgesprochener Waldbach mit niedriger Temperatur, die sich infolge der Beschattung des gesamten Laufes auch im heißen Sommer nur wenig erhöht.
Die Vorwärme-Teiche sind aber viel zu klein, um den großen Kubikinhalt des Nichtschwimmerbeckens zu erwärmen und einen merkbaren Wärmeüberschuß noch an das Schwimmbecken abzugeben. Der Erfolg wird nicht spürbar sein. Durch die geringe Wassermenge, welche durch die vier Ueberläufe im Schwimmbecken abfließen kann, wird auch ein Zufluß in das Schwimmbecken nur gering sein, sodaß im Schwimmbecken das Wasser sowieso länger stehen bleiben muß und sich selbst erwärmen wird. Der Sanddamm, der die beiden Vorwärmeteiche trennt, ist mit Zement bestrichen, eine Bauart, die nur eine Zementwand vortäuscht, nie aber eine solche ersetzen kann, weil infolge von Unterspülungen Brüche und Senkungen eintreten werden.

Zufluß des Wassers

Jetzt wird das große Schwimmbecken mit schmutzigem Wasser aus dem Nichtschwimmerbecken gefüllt und ergänzt. Richtiger wäre es gewesen, das Schwimmbecken der Länge nach mit fließendem Wasser zu versehen, wobei der Einfluß einen Schieber bekommen hätte, der den Zufluß ganz oder teilweise drosseln könnte. Der Abfluß an entgegengesetzter Seite könnte besonders oder durch das Nichtschwimmerbecken erfolgen. Für die Gesamtanlage wäre es vielleicht empfehlenswerter und erheblich sparsamer gewesen, ohne den Zweck ungünstig zu beeinflussen, wenn beide Becken zusammengelegt worden wären bei einer Länge von 50 m für das Schwimmbecken und größerem Sonnenbad. Die Badefreudigkeit wäre vielleicht gestiegen, weil die Wasseranlage hierdurch geschlossener und intimer gewirkt hätte. Auch hätte die Badeaufsicht wirksamer sein können.
Die Ersparnis an Fläche könnte für einen Uebungsplatz alsdann verwendet werden. Bei einer guten Projektierung der Gesamtanlage hätte man, wenn die örtliche Trennung des Bades und des Stadions nicht durchgeführt werden sollte, ein finanziell günstigeres Objekt schaffen können.

Kosten

So weit mir mitgeteilt wurde, werden die Kosten betragen:
für Gelände                                         ca. RM   40.000,–
“    das Stadion und Erdarbeiten         ca. RM 100.000,–
“    Zaun und Bepflanzung                  ca. RM   10.000,–
“    Gebäude                                        ca. RM   15.000,–
                                                            ca. RM  165.000,–

                                                            ============
Wie weit die Kosten gerechtfertigt sind, kann ich erst nach Prüfung aller hierfür erforderlichen Unterlagen Näheres feststellen. Es kann aber soviel gesagt werden, daß die Gesamtkosten im Hinblick auf die Einwohnerzahl der Gemeinde Lauta (5.000 Personen) sehr hoch sind. Mit weniger Kosten und mehr Ueberlegung hätte man vielleicht mehr schaffen können.
In ihrem jetzigen Zustand ist die Gesamtanlage noch nicht fertig. Die Ausgaben, welche noch erforderlich sein werden, richten sich natürlich ganz nach den Ansprüchen, die gestellt werden. Welche Gebäude für RM 15.000,– hergestellt werden sollen, entzieht sich meiner Kenntnis, weshalb ich diese hier aufführen will:
Umkleideräume für Turner und Sportler zur Benutzung des Stadions,
Aborte und Waschräume für Turner und Sportler,
Geräteräume                      “     “         “        “       ,
Umänderung der Laufbahn auf genau 400 m,
Einbau der Sprung- und Wurfanlagen,
Ausstattung der Tribüne mit Bänken,
Umkleideräume und Kabinen für Badende,
Aborte, Brausen und Waschräume für Badende,
Sprungbretter im Schwimmbecken,
Startmöglichkeiten für Schwimmen von 50 und 100 m,
Treppen im Schwimmbecken,
Brunnen zum Trinken von hygienischem Wasser im Sonnenbad und auf anderen Stellen der Gesamtanlage,
Herstellung einer Bewässerungsanlahe im Stadion (6 Hydranten) und Gartenanlage nebst Schläuchen, ferner für die Brausen und Waschräume,
hierzu eine Pumpanlage,
Unterkunftshalle für die Besucher bei plötzlich schlechtem Wetter,
hierzu evtl. Wohnraum für Aufsicht und alkoholfreier Ausschank,
Aborte für Besucher der Anlagen,
Herstellen für Zufahrtswege,
Turngeräte für Verein und im Sonnenbad Spielgeräte etc.
evtl. Anlage von elektrischem Licht in Räumen und auf Wegen.
Bei der Größe der Anlagen wären eigentlich alle vorstehend aufgeführten Bauten und Einrichtungen, die eine Mehraufwendung von wenigstens RM 50.000,– kosten würden, erforderlich. Wie weit in diesem Falle Dispositionen bestehen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Es ist wahrscheinlich vor Beginn der Arbeiten nicht überlegt worden, welche Bauten und Einrichtungen zum Betriebe einer so großen Anlage gehören und wie teuer sich das Gesamtprojekt stellen würde. Es war vielleicht weiterhin nicht festgestellt worden, welche laufenden Kosten, wie nachstehend angegeben, mit diesem Projekt verbunden und ob und welche Einnahmen zu erwarten sind.
Umgelegt auf die Einwohnerzahl der Gemeinde Lauta von rund 5.000 Köpfen ergeben allein ausgegebenen RM165.000,–, */* Grundstück von RM 40.000,–, gleich RM 125.000,–, eine Ausgabe von RM 25,– pro Kopf der Bevölkerung. Sollten die für die Anlage erforderlichen, vorstehend aufgeführten Einrichtungen noch hinzukommen, so würden sich die Kosten pro Kopf der Einwohner um weitere RM 10,– auf zusammen RM 35,– steigern. Dieser Aufwand erscheint mir bei einer Landgemeinde von 5.000 Einwohnern bei der heutigen wirtschaftlichen Not des Vaterlandes reichlich hoch, wenn ich noch dazu berücksichtige, daß im allgemeinen bei Städten ein Bauunkostensatz pro Kopf der Bevölkerung von RM 1,– angenommen wird. Eine kleine, zahlungsfähige Gemeinde wird hiermit nicht auskommen, da eine Laufbahn nebst Fußballfeld als kleinste Anlage etwa das 4 – 6fache kostet. Daher wäre es empfehlenswert, wenn unsere Gemeinden sich zusammen eine sachgemäße Anlage leisten und auch dafür sorgen, daß die Bevölkerung in recht ausgedehntem Maße die geschaffene Anlage benutzt. Denn je mehr für die Körperkultur getan wird, desto mehr wird sich dies bei Bezahlung der Krankenkosten auswirken.

Unterhaltung des Stadions

Bei der hohen Belastung der Gemeinde Lauta durch die Stadionanlage wirkt erschwerend der Umstand, daß es sich nicht nur um die einmaligen Anlagekosten handelt, welche für die Erstellung des Stadions aufzuwenden sind, sondern auch um die laufende Instandhaltung und Unterhaltung des Stadions. Es entsteht hierdruch naturgemäß eine dauernde nicht zu unterschätzende Belastung, umsomehr als die Gemeinde so gut wie keine laufenden Einnahmen aus der Stadionanlage haben wird, wie dies in den meisten Städten der Fall ist. Die Unterhaltungskosten fallen also restlos der Gemeinde zur Last. Ein Etat für die laufende Instandhaltung und den Betrieb der Anlage ist wahrscheinlich von der Gemeinde bisher noch nicht aufgestellt worden. Nach meinen Erfahrungen ist bei größter Sparsamkeit bei der Größe der Anlage mindestens mit folgenden Ausgaben pro Jahr zu rechnen:
Ein Wächter                                  RM 1.000,–
zwei Arbeiter und eine Frau         RM 2.000,–
ein Bademeister und Frau            RM   750,–
Materialien                                   RM   250,–
d.h. also insgesamt jährlich          RM 4.000,–
                                                     ========
Bei Errichtung von Gebäuden treten die Unkosten für Erhaltung hinzu. Das bedeutet umgelegt auf die Einwohnerzahl von rund 5.000 Köpfen eine dauernde jährliche Belastung von mindestens RM –,80 pro Kopf der Bevölkerung.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden,
1. daß die Wahl des Platzes für das Stadion unzweckmäßig ist,
2. daß die Projektierung der Badegelegenheit unzweckmäßig und die Ausführung unvollständig ist,
3. daß die Laufbahn falsch angelegt ist und die Sprungmöglichkeiten fehlen,
4. daß die Gesamtanlage bei der großen Disponierung ohne die fehlenden Bauten und Einrichtungen unvollständig ist,
5. daß schon die bisherigen Kosten viel zu hoch für eine kleine Gemeinde sind,
6. daß bei Fertigstellung der Gesamtanlage hohe Unterhaltungskosten erforderlich sind.
Ich darf daher sagen, daß die Gemeinde mit Anlage einer Erholungsstätte für Jung und Alt etwas Gutes schaffen wollte, sich aber über die Durchführung des Gedankens nicht genügend im Klaren war und sich daher ungewollte einmalige und dauernde Kosten auferlegt hat.
Trotzdem hoffe ich, daß die Anlage erhalten bleibt und zum Segen der Gemeinde wird.

Die Entwicklung nach 1945

Die Gemeinde Lautawerk und ihre politischen Vertretungen standen vor, während und nach dem Ende des Krieges zu „ihrem“ Schwimmstadion. Der Krieg hatte seine Spuren an ihm vor allem in Form von Vernachlässigung hinterlassen. Kurt Sucker, Bade- bzw. Schwimmmeister von 1950 bis 1971, berichtete im Jahr 1965, dass „die schlecht erbauten Beckenmauern“ eingefallen seien. „Zäune, Kabinen und Wirtschaftsgebäude verkümmerten, der Sportplatz, die Wege sowie die Anlage vergrasten.

Die Gemeinde Lauta hatte ab Mitte der 1930er Jahre mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Neben dem Stadion am Schwimmbad gab es nun eines mitten in der Stadt, an der Mittelstraße, gelegenes. Es eignete sich für Ballsportarten und für die Leichtathletik und entsprach dem, was im Gutachten von Dezember 1929 angesprochen worden war. Es lag gut erreichbar für die Bewohner aller drei Ortsteile – Nord, Süd und Dorf.
1939 hatte der Bau des Sportplatzes mit Hoch- und Weitsprunganlage, 400m-Aschenbahn und Fußballfeld begonnen. Der Krieg verhinderte die Fertigstellung, die 1946 mit der Einweihung der Sportanlage als „Ernst-Thälmann-Stadion“ ihren Abschluss fand.

Wie der Zustand 1945 und später im Schwimmstadion genau war, ließe sich nur aus den im Archiv der Stadt Lauta liegenden Dokumenten erschließen.
In der Hoffnung, dass ich damit niemandem in der Stadtverwaltung auf die Füße trete, würde ich hier Informationen einarbeiten, die in Verbindung mit einer Ausstellung zu 50 Jahre Stadtrecht Lauta im Jahr 2015 von Annett Güdücü-Theurich und Monika Tschöke u.a. zum Schwimmstadion zusammengetragen wurden.

Am 21. Mai 1946 befasste sich der Gemeindevorstand mit der Badesaison 1946 und mit den zu erhebenden Eintrittspreisen.

Der Gemeindevorstand ging von dem Standpunkt aus, bei der Festsetzung der Eintrittspreise im Interesse der Volksgesundheit den Kindern den jederzeitigen Zutritt zur Badeanstalt zu ermöglichen, da die Kinder unter den heutigen schwierigen Ernährungsverhältnissen, im Gegensatz zu den früheren Jahren, keinerlei Freude mehr haben.

Der Eintritt für die Kinder in das Schwimmstadion war 1946 frei, die Tageskarte für Erwachsene kostete 0,10 RM, die Jahreskarte für den Mann 2,00 RM und für die Frau 1,00 RM. Der Jahresmietpreis für eine Kabine betrug 6,00 RM.

Örtliche Ferienspiele (ab ca. 1952)

In der DDR gab es zahreiche Formen der Ferienbetreuung von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen. Begonnen wurde damit Anfang der 1950er Jahre.

Das Schwimmstadion Lauta wurde für die jährlich stattfindenden Örtlichen Ferienspiele, für Schwimmlager und für sporadisch stattfindende Sommer-Spezialistenlager „Junger Techniker und Naturforscher“ genutzt.

Sie wurden während der längeren Sommerferien von der Gemeinde – bzw. Stadtverwaltung ausgerichtet und durch die Schulen bzw. Schulhorte oder vom Kinderwochenheim Süd mit pädagogischem Betreuungspersonal abgesichert.
Die örtlichen Ferienspiele in Lautawerk bzw. Lauta dauerten pro Durchgang drei Wochen. Es gab zwei Durchgänge. 1986 wurden aufgrund der großen Nachfrage erstmals vier Durchgänge für insgesamt 610 Kinder durchgeführt. Der Unkostenbeitrag betrug einschließlich des täglichen warmen Mittagessens und Vesper pro Kind 1 Mark wöchentlich. Von Montag bis Freitag erfolgte die Betreuung von 9 bis 16 Uhr. Bis zur obligatorischen Einführung der 5-Tage-Arbeitswoche im Jahr 1967 auch am Sonnabend von 9 bis 12 bzw. 13 Uhr.

Jeder Tag begann mit dem Fahnenappell, dann folgte bis 12 Uhr organisierte Freizeitgestaltung (Wandern, Baden oder Basteln). danach Mittagsschlaf, Kaffeetrinken und Freizeitgestaltung. Sonnabends Film-Vorstellung in den „Regina-Lichtspielen“ mit abschließender Ausgabe von Gebäck und Kaffee.Die Kinder kamen individuell und fuhren danach auch allein wieder nach Hause. Die Kinder, welche den Hort oder das Kinderwochenheim besuchten, kamen morgens geschlossen mit ihren Erzieherinnen.
Die Kinder waren in Gruppen mit Gruppenleitern aufgegliedert. Über allem wachte die Lagerleitung. Bei diszplinarischen Verfehlungen war die Höchststrafe der Ausschluss von den Ferienspielen.
Bei schlechtem oder sehr heißem Wetter stand als Schutz die Holzbaracke für die Freizeitgestaltung, das Mittagessen und Vesper zur Verfügung. Genutzt wurden für die örtlichen Ferienspiele nur die vorderste Hälfte. Im hinteren Bereich waren die Teilnehmer des Schwimmlagers untergebracht, die auch über Nacht dort blieben. Zusätzlich gab es größere Zelte. Ab den 1970er Jahren gab es für jede Gruppe einen Bungalow.

Das Essen wurde jeden Tag vor Ort frisch gekocht (Mittag) bzw. zubereitet (Vesper). Die Zutaten kamen täglich. Zur Vesper gab es ein belegtes Brötchen oder Kuchen bzw. anderes Gebäck.

Es wurde versucht, die Zeit für die Kinder möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Viele Teilnehmer der Ferienspiele lernten dort das Schwimmen. Es wurden Wanderungen in die nähereUmgebung durchgeführt. Beim Sammeln von Kräutern und Beeren sowie Beobachten von Tieren sammelten die Kinder Wissen über die heimatliche Umgebung. Mitunter gab es auch größere Ausflüge, z.B. in den Spreewald. Es wurden kleine Ausstellungen vorbereitet, wo die Kinder Selbstgebasteltes oder -gemaltes zeigen konnte. Höhepunkt der Ferienspiele war jeweils das Neptunfest. Die Betreuer dachten sich dafür mit den Bademeistern ein Programm aus.

Bauarbeiten und erste große Probleme

Die Situation im Jahr 1965 beschreibt der folgende Beitrag von Kurt Sucker in  der Betriebszeitung „Der Lautawerker“.

Quelle: „Der Lautawerker“ vom 10. April 1965

Wie oben schon beschrieben, erfolgten im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) in den 1950er/1960er Jahren umfangreiche Bauarbeiten, mit denen auch bereits im Gutachten von Dezember 1929 angeführte Vorschläge umgesetzt wurden.

1955 war das Becken, wie eine damals entstandene Aufnahme zeigt, noch nicht unterteilt. Der Betonsprungturm stand schon. 1936 gab es an dieser Stelle nur einen aus Holz. Wann der aus Holz dem neuen aus Beton Platz machte, ist noch zu klären.
Die Betonklötze am Beckenrand verweisen auch darauf, dass noch 1955 von dort der Start für die Schwimmwettkämpfe erfolgte. Am östlichen Beckenrand könnten die noch aus Holz und Faschinen bestehenden Beckenwände zu sehen sein. Am Sprungturm war offensichtlich alles bereits betoniert.

1964 wurde eine Verunreinigung des Wassers festgestellt. Am 1. April 1964  war es deshalb der Gemeinderatssitzung, wo festgestellt wurde: „...Verursacher dieser Verunreinigung ist das Chemiewerk durch das Abkippen von Rotschlamm in diesem Gelände. Es ist zu klären, ob das Schwimmstadion Lauta trotz der Weiterentwicklung der Rotschlammkippe bis 1990 bestehen bleiben kann oder sich eine Verlegung des Bades erforderlich macht.

Vermutlich als Reaktion auf diesen Mißstand kam es zum Umbau des Schwimmbeckens. Es wurde in drei mit Betonwänden abgetrennte und umgebene Becken unterteilt. Das Nichtschwimmer- und das Schwimmerbecken erhielten Betonböden. das Sprungbecken blieb „aus technischen Gründen“ nach unten offen.

Am 10. Juli 1965 wurde die Sportfläche des Schwimmstadions für ein Reit- und Springturnier und andere Sportveranstaltungen benutzt.

Mit Beschluss vom 19. August 1965 legten Rat der Stadt und Stadtverordnetenversammlung die Gebührensätze für das Schwimmstadion ab der Badesaison 1966 fest. Die Begründung dafür ist besonders interessant.

Für das Stadion werden zurzeit noch die Eintritts- und Benutzungsgebühren erhoben, die bereits vor 1945 gültig waren. Dabei zahlten Erwachsene 0,10 MDN Tageseintrittsgeld, während Kinder, Rentner usw. kein Entgelt zu entrichten hatten. Seit 1945 sind im Stadion rund 400 TMDN an Haushaltsmitteln und NAW-Leistungen investiert worden. Hinsichtlich Gestaltung und Betreuung werden gegenwärtig mehr als die dreifache Qualität als vor 1945 geboten. Es ist deshalb gerechtfertigt, dass die Bevölkerung für die Benutzung des Bades einen entsprechenden Beitrag leistet, wobei die erzielten Einnahmen dem weiteren Ausbau und der Verschönerung des Stadions wieder zufließen sollen. Es werden neue Gebührensätze vorgeschlagen, die den umliegenden Bädern entsprechen.

Gebühren für die Badesaison 1966. (Quelle: Stadtarchiv Lauta)

Am 17. Juni 1971 musste der Stadtrat feststellen, dass sich die Situation des Schwimmstadions weiter verschlechtert hatte.

Durch die seit einigen Jahren betriebene erweiterte Rotschlammverkippung durch den VEB Aluminiumwerk Lauta treten seit dieser Zeit äußerst negative Erscheinungen in Form von Beeinträchtigungen der Wasserverhältnisse im Bereich des Schwimmbades Lauta auf. Durch diese Beeinträchtigung, deren negative Auswirkungen sich in den letzten Jahren ganz besonders verdichteten, ist die Funktionstüchtigkeit des Bades seit einigen Jahren in Frage gestellt. Durch eine Havarie der Rotschlammkippe, im Besonderen ausgelöst durch die am 7.6.1971 auftretenden starken Regenfälle, wurde das Schwimmbad in einem solchen Maß durch einfließenden Rotschlamm verseucht, dass sich eine Stilllegung sofort notwendig machte. Die gesamte Anlage musste völlig entleert und einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. (…) Auf Grund der Tatsache, dass der gegenwärtige katastrophale Zustand nicht als alleinige Ursache gesehen werden kann, sondern die Beeinträchtigung seit Jahren erfolgt und eine noch stärkere Beeinträchtigung durch zusätzlich notwendige Verkippungen zu erwarten ist, wird der Rat beauftragt und ermächtigt, dem VEB Aluminiumwerk Auflagen zu erteilen, die zur völligen Sanierung des Bades führen und eine künftige Beeinträchtigung ausschließen.

Besonders gravierend zeigte sich die Grundwasserverunreinigung im nach unten offenen Sprungbecken. Es musste gesperrt werden. Die beiden anderen Becken waren – teilweise mit Einschränkungen weiterhin nutzbar. Als weiterer Problemfall deutete sich das Schwimmerbecken an. Aber noch hielten Betonwände und -boden das Grundwasser auf. Zur Sicherung der Wasserqualität musste das Wasser im Becken jedoch öfter erneuert werden. Bis es sich jeweils ausreichend erwärmt hatte, blieb das Becken für den Bade- und Schwimmbetrieb gesperrt.

Ungefähr zu dieser Zeit muss auch der Nichtschwimmerteich beseitigt worden sein. Er wurde geleert, aufgefüllt, planiert und etwas später mit Bungalows bebaut. Die in der Nähe des Grabens stehenden Bungalow wurden verpachtet. Die gegenüber dem nunmehrigen Nichtschwimmerbecken stehenden u.a. für die Örtlichen Ferienspiele genutzt.

1973 ging der erste Strandabschnitt am Senftenberger See in Betrieb. Im Laufe der Jahre erweiterte sich der Strand, unterteilt in mehrere Abschnitte, auf eine Gesamtlänge von 7 km. Das Schwimmbad Lauta verlor seine bisherige Ausnahmestellung. Die Menschen wanderten zunehmend in das neue Erholungsgebiet ab.

Bis 1990 betrieb die Stadt Lauta das Schwimmstadion, trotz der zunehmenden Widrigkeiten, dennoch weiter als öffentliches Bad.

Das Ende des Stadions

Mit der Währungsreform und dem Ende der DDR 1990 veränderten sich sämtliche Rahmenbedingungen. Die Wasserkosten stiegen um ein Vielfaches an, die großen Betriebe in Lauta und Umgebung – Brikettfabrik Laubusch, Kraftwerk Lauta und Aluminiumwerk Lauta – mussten die Arbeit einstellen. Die Beschäftigten verloren ihre Arbeit und auf der Suche nach Arbeit, Einkommen und gesicherterem Leben wanderten viele Einwohner ab, vor allem aus den jüngeren Generationen.
Der seit der Flutung des Tagebaus Erika in der zweiten Hälte der 1960er Jahre zu verzeichnende Anstieg des Grundwassers, die über die Jahre hinweg betriebene Erweiterung der Rotschlammkippe und die davon ausgehende Kontaminierung des Grundwassers ließen sich nicht mehr beherrschen. Eine Lösung – finanziell und technisch – wurde weder für die nähere noch für die Zukunft gesehen. Hinzu kamen die deutlich sichtbarer gewordenen Schäden an den auf dem Gelände stehenden Gebäuden. Für deren Behebung ebenfalls das Geld fehlte.

Am 7. November 1990 berichtete der „Hoyerswerdaer Wochenspiegel„:

Wegen katastrophaler Bedingungen musste das Schwimmstadion Lauta auf Dauer geschlossen und das Gelände gesichert werden. Das Dezernat III der Stadtverwaltung Lauta weist eindringlich darauf hin, dass bedingt durch die inzwischen mit stark phenolhaltigem Wasser gefüllten Becken und den durch Zerstörungen bedingten baufälligen Zustand der Gebäude, auf dem Gelände für jedermann Lebensgefahr besteht.

Der Verweis auf die von „stark phenolhaltigem Wasser“ ausgehenden Gefahren ist nie hinterfragt worden. Denn Rotschlamm und Phenol, das passt nicht zusammen.

Grundsätzlich enthält Rotschlamm die im Bauxit-Erz enthaltenen Fremdstoffe. Dies sind hauptsächlich Eisen- und Titanoxide und verschiedene Kieselsäureverbindungen. Die charakteristische rote Farbe erhält Rotschlamm aufgrund seines Hauptbestandteils Eisen(III)-oxid. Die in geringerem Umfang enthaltenen Nebenbestandteile variieren mit der Herkunft des Erzes. Hier wurden zahlreiche Schwermetalle wie Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Vanadium oder Quecksilber nachgewiesen.

Akzeptabel wäre ein Hinweis auf von Natronlauge ausgehenden möglichen Gefahren gewesen. Aber woher sollen die Phenole gekommen sein?

Karsten Jordan schreibt auf seiner Internetseite über das Ende des Bades:

Bereits in den 70er Jahren ging jedoch die Anzahl der Badegäste stark zurück, wohl durch die Hallenbäder in Hoyerswerda und Senftenberg, durch das (nur einen Kilometer entfernte) Freibad Laubusch, aber vor allem durch den Knappensee und den Senftenberger See. Dazu kamen in den 80er Jahren zunehmende Bauschäden, welche eine umfassende Sanierung erforderlich gemacht hätten. Da aber für eine solche Sanierung die Bau-Kapazitäten fehlten, wurde das Bad Mitte der 80er Jahre vorübergehend geschlossen. …
Nach der Wende hätten zwar die nötigen Bau-Kapazitäten zur Verfügung gestanden, aber nun standen der Stadt Lauta nicht mehr die finanziellen Mittel zur Verfügung. Da nun aber auch über die Eingemeindung der Gemeinde Laubusch zur Diskussion stand (was 2001 dann auch geschah), und die Stadt keine zwei Freibäder benötigte, wurde das Freibad Lauta endgültig aufgegeben und dem Verfall preisgegeben. …
Es gab inzwischen zwar einige Gedanken zur Nutzung des Geländes. So dachte der AWO-Kreisverband Kamenz darüber nach, das Bad für das benachbarte Schullandheim Waldesruh zu nutzen. Auch der Hundesportverband Lauta wollte das Gelände nutzen, um (nach Zuschüttung der Schwimmbecken) dort einen Übungsplatz zu errichten. Aber dazu kam es bisher nicht. Zusätzliche Schwierigkeiten bereitet die Tatsache, dass das Grundstück zwar der Stadt Lauta gehört, sich aber auf Schwarzkollmer (=Hoyerswerdaer) Flur befindet.

Im November 2003 waren die Ruinen des Schwimmstadions Thema im MDR-Sachsenspiegel. Die Dreharbeiten nutzten die regionalen Zeitungen, um über den dazu stattfindenden Vorort-Termin zu berichten. Konsens bei allen Beteiligten war, dass nur ein Abriss in Frage kam.
Lautas damaliger Bürgermeister Hellfried Ruhland ging dabei auch auf die Frage von möglichen Gefahren in den Wasserbecken ein.

Zumindest relativ ungefährlich sei das Wasser in den Becken. Die bräunliche Färbung wird durch die Auswaschungen der Rotschlammhalde veursacht, auf die jahrzehntelang umweltbelastende Rückstände der Aluminiumproduktion verkippt wurden. Durch den Wiederanstieg des Grundwassers drückt es nach oben. das Abpumpen, um zumindest die Gefahr für spielende Kinder zu verringern, würde nur kurzfristig Erfolg bringen. Eine bei Vattenfall in Auftrag gegebene Studie ergab, dass der laugenhaltige Beckeninhalt „belastet, aber nicht kontaminiert (mit schädigenden Stoffen oder Krankheitserregern versehen – d. Red.) ist“, erklärte Ruhland.
(Quelle: Linke, Hagen: 200 000 Euro sind notwendig… . In: Sächsische Zeitung, Lokalausgabe Hoyerswerdaer Tageblatt vom … .11. 2003)

Der Abriss des Schwimmstadions 2007

Am 6. Juli 2007 – 77 Jahre nach seiner Einweihung – begann der Rückbau, oder treffender der Abriss, des Schwimmstadions. „Im Auftrag des Bundes und des Freistaates Sachsen“ leitete die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) als Projektträger die Arbeiten. Ausgeführt wurden sie von der Firma Rainer Glausch Glau Con eK aus Hoyerswerda. Die mit verunreinigtem Grundwasser gefüllten Becken mussten geleert, teilweise abgebrochen und verfüllt werden. Parallel dazu erfolgte der Abbruch aller noch vorhandenen baulichen Anlagen, „bis einen halben Meter unter der Grasnarbe„.
In einem Bericht von Christine Primpke über diese Arbeiten, der im „Stadtanzeiger“ vom  ……… Juli 2007 veröffentlicht wurde, heißt es:

Der enorme Arbeitsumfang erstreckt sich auf ca. 8.000 m3 Wasser aus allen 3 Becken. Dieses Beckenwasser wird in ein Verdunstungsbecken gepumpt und durch Versickern erfolgt eine Infiltration. Gegenwärtig laufen alle Sanierungsarbeiten planmäßig, dass aus jetziger Sicht Ende Oktober 2007 mit dem Abschluss dieser Maßnahme zu rechnen ist, informierte LMBV-Projekt-Manager Jürgen Nagel. Zur Verfüllung des gesamten Areals werden rund 9.000 m3 Material (Kies, Grobschlag und Rekultivierungsmaterial benötigt. Nach Realisierung dieser Auffüllungsarbeiten ist eine allgemeine Begrünung vorgesehen. Unter Berücksichtigung des hohen Grundwasserstandes (30 cm unter der Rasensohle) sollen etwa 600 kleinere Bäume und Sträucher gepflanzt werden.

Mit 200 000 EURO wurden die Kosten für den Rückbau beziffert. Am 8. November 2007 konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Das Schwimmbad Lauta existierte nicht mehr.

Die Natur eroberte sich das ihr einst entrissene Areal nach und nach wieder zurück. Heute ist es eine an den Rändern bewachsene offene Moorlandschaft, mit Restbeständen des einstigen Schwimmstadions.

Personal des Schwimmbades

Bade- bzw. Schwimmmeister

Bärsch, Robert (1932 (?) bis 1949)
Sucker, Kurt (1950 bis 1971?)
Pratzer, Werner (15.09.1971 bis 30.03.1990)

Robert Bärsch wohnte spätestens ab 1925 in Lautawerk. Damals in der Barackenstadt-Süd, Baracke 50, und war als Hilfs-Installateur tätig. 1929 hatte sich an seiner Tätigkeit nichts geändert, aber die Wohnanschrift. Sie lautete nun Ponsekstraße 7 (möglicherweise die heutige Kleiststraße). Mit der Eröffnung des Schwimmbades könnte er den Posten des Schwimmmeisters erhalten haben. Im Adressbuch für Lauta von 1937 ist er, in dem damals noch zu Lauta-Dorf gehörenden Haus Senftenberger Straße 28 als wohnend angeführt. Seine Tätigkeit: Bademeister und Heizer. In dem Adressbuch von 1941 erscheint er als Bademeister und wohnhaft in der Kurmarkallee 48 (heute: Straße der Freundschaft).

Kurt Sucker erscheint erstmalig im Adressbuch von 1937, von Beruf Former, und wohnhaft Weststraße 11. 1941 war sein Beruf der gleiche wie 1937. Nur hatte er eine neue Wohnanschrift: Kurmarkallee 72. Seine Eltern müssen aber schon ab den 1920er Jahren in Lautawerk gewohnt haben. Eine eindeutige Zuordnung über die Adressbücher ist aber nicht möglich, da es mehrere Suckers in Lautawerk gab.

Bildergalerie

1930er Jahre

Luftaufnahme vom Anfang der 1930er Jahre. Links das Dach der Gaststätte.
Luftbild, Nr. 4913, der Firma Aero-Expreß aus Leipzig. Vermutlich zur gleichen Zeit entstanden, wie das obere Foto.
Eröffnung des Schwimmbades am 15. Juni 1930. (Archiv Stadtverwaltung Lauta)
Schwimmbad kurz vor der Eröffnung am 15. Juni 1930, aus dem Beitrag des „Senftenberger Anzeigers“ vom 16. Juni 1930.
Das Bild aus dem Beitrag des „Senftenberger Anzeigers“ vom 16. Juni 1930 wurde später als Ansichtskarte verkauft.
Sportwettkämpfe im Schwimmstadion Lautawerk am 12. Juli 1936, aus Anlaß der vom 1. bis 16. August 1936 in Berlin ausgetragenen Olympischen Sommerspiele.

1950er Jahre

Aufnahme aus dem Jahr 1955. Das gleiche Motiv ist auch auf einer Karte mit mehreren Fotos im Jahr 1956 zu finden.
Schwimmbecken (Quelle: Stadtarchiv Lauta)
Fahnenappell Örtliche Ferienspiele. (Quelle: Stadtarchiv Lauta)

1960er Jahre

1965
1965
Schwimmbad 1965. (Privatfoto Aribert Schulze)
Fahnenappell Örtliche Ferienspiele.
Örtliche Ferienspiele 1961 (Archiv: Detlef John)
Örtliche Ferienspiele 1962 (Archiv: Detlef John)

1970er Jahre und später

Privatarchiv Silvana Alin, Lauta. Jens Bitzka, Lauta, hatte es mir auch schon zukommen lassen. Handelt es sich hier um eine Ansichtskarte?
Im Hintergrund die auf dem zugeschütteten und planierten Nichtschwimmerteich gebauten Bungalows.

Im Jahr 1995

Im Jahr 2000 – Archiv von Jens Lienig

2007

Abbrucharbeiten 2007 (Quelle: unbekannt)

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