Der Schleichgraben (I)

Einführung

Der Schleich­gra­ben ist ein inter­es­san­tes Gewäs­ser und ein wich­ti­ges The­ma für Lau­ta. Vie­le Pro­ble­me sind mit ihm ver­bun­den, aber auch eine Viel­zahl von Erin­ne­run­gen. Hin­zu kommt, dass ihn eigent­lich kaum jemand rich­tig wahr­ge­nom­men hat bzw. wahr­nimmt. Und so nicht erken­nen kann, dass er in gro­ßen Tei­len wesent­lich bes­ser ist, als sein Erschei­nungs­bild auf dem Gebiet von Lau­ta erah­nen lässt.

Sein Lauf ver­än­der­te sich ab Lau­busch (Braun­koh­len­werk) mehr­fach. Es gab den Schleich­gra­ben vor dem Tage­bau, wäh­rend sei­nes Bestehens, nach sei­ner Schlie­ßung, nach Bau und Inbe­trieb­nah­me der Asche­ver­spü­lung sowie nach Bau und Inbe­trieb­nah­me der Anla­gen zur Behe­bung der Umwelt­schä­den in der “Blau­en Donau”. Sie­he dazu auch die Bei­trä­ge auf der Geschichts­sei­te Lau­ta zum Schwimm­bad und zur Bau­er­müh­le. Der ursprüng­li­che Ver­lauf des Schleich­gra­bens ist zum größ­ten Teil bis nach Lau­busch, ehe­ma­li­ge Bahn­tras­se beim Pfle­ge­heim nachzuvollziehen.

Aus­zug Auto­kar­te, 1931. Quel­le: Archiv Punzel

Mir liegt eine Auto­kar­te von 1931 vor (sie­he oben), aus der sich fol­gen­der Ver­lauf ergibt:
Der Schleich­gra­ben ent­springt in den Hügeln nörd­lich der B 97 und west­lich der Ver­bin­dungs­stra­ße zwi­schen B 97 und Schwarz­kollm. Fließt dann nach Leip­pe bis Forst­haus und von dort aus wei­ter in nörd­li­cher Rich­tung auf Lau­busch zu. Öst­lich der heu­ti­gen Lau­bu­scher Haupt­stra­ße gab es damals meh­re­re Tei­che (Stein-Teich, Hel­fer-Teich und Alter Teich), aus denen eben­falls Bäche abgin­gen. Der Schleich­gra­ben west­lich der spä­te­ren Sied­lung trieb die Schnei­de­müh­le an. Die Mün­dung in die Schwar­ze Els­ter erfolg­te zwi­schen dem Kreis­ver­kehr und Gei­ers­wal­de (ehe­ma­li­ger Stand­ort der Kortitzmühle).

Mit dem Bau des Braun­koh­len­werks und mit dem Tage­bau wur­de der Lauf des Schleich­gra­bens in Rich­tung des heu­ti­gen Lau­ta­werks ver­än­dert. Gemün­det hat er immer in die Schwar­ze Els­ter. Nur jeweils an ver­schie­de­nen Stel­len.
Nach­voll­zieh­bar ist sein Ver­lauf auch anhand der zwi­schen Lau­busch, Lau­ta, Gei­ers­wal­de , Tätz­sch­witz, Lau­ta-Dorf und Groß­ko­schen einst vor­han­de­nen Was­ser­müh­len. Bevor der Tage­bau alles ver­schlang, gab es neben dem Schleich­gra­ben noch wei­te­re flie­ßen­de Gewäs­ser, von denen auch Müh­len pro­fi­tier­ten. Eine davon war die Bau­er­müh­le.
Teil­wei­se sind die klei­nen Fließ­ge­wäs­ser noch vor­han­den. Und immer ist es die glei­che Fließ­rich­tung, von den Höhen im Süden in Rich­tung Schwar­ze Els­ter oder sie ver­si­cker­ten schon vor­her und bil­de­ten moras­ti­ge Flä­chen, teil­wei­se mit Torf­vor­kom­men (u.a. “Blaue Donau” öst­lich der Park­stra­ße in Lauta-Nord).

Der Schleich­gra­ben ent­steht unter­halb der Zeiß­hol­zer Hoch­flä­che durch den Zusam­men­fluss des Neu­koll­mer Gra­bens und des Leip­pa­er Mühl­gra­bens vor dem Gelän­de des eins­ti­gen Schwimm­ba­des Lau­ta. Im Fol­gen­den ver­fol­ge ich zunächst das Ent­ste­hen und den Ver­lauf des Neu­koll­mer Grabens.

Petzerberg bis Wanderwegekreuz Kolonie Petzerberg

Die Anfahrt zum Aus­gangs­punkt der Wan­de­rung erfolg­te mit dem Pkw über die Stra­ße S 198 durch Schwarz­kollm in Rich­tung B 97 (Auer­hahn) bis zum Wald­weg Abzweig der Stra­ße Pet­zer­berg. Den Wald­weg ent­lang in west­li­cher Rich­tung bis zum Wanderwegekreuz.

Dann dem ers­ten den Weg que­ren­den flie­ßen­den Gewäs­ser ent­ge­gen der Fließ­rich­tung in Süd-West-Rich­tung bis zu dem Punkt gefolgt, wo das Was­ser erst­ma­lig aus der Erde trat. Es han­delt sich hier­bei um ein in offi­zi­ell zugäng­li­chen Kar­ten nicht benann­tes Fließ­ge­wäs­ser. Wie mir Mir­ko Pink mit­teil­te, könn­te es sich hier­bei um den Pet­zer­berg­gra­ben handeln.

Er ist Teil der auf der Zeiß­hol­zer Hoch­flä­che ent­sprin­gen­den Gewäs­ser. Die Hoch­flä­che trägt den Cha­rak­ter einer Was­ser­schei­de, die durch die B 97 geteilt ist. Die in süd­li­cher Rich­tung abflie­ßen­den Gewäs­ser bil­de­ten u.a. das Dubrin­ger Moor. Die nörd­lich von der Hoch­flä­che in die Leip­pe-Schwarz­koll­mer Nie­de­rung und wei­ter zur Schwar­zen Els­ter flie­ßen­den Gewäs­ser bil­de­ten eben­falls Moor­flä­chen, von denen das auf der Hoch­flä­che befind­li­che Neu­koll­mer Moor und die Moor­flä­che bei Leip­pe sowie die zwi­schen Lau­busch und Lau­ta die bekann­tes­ten sind.

Der Pet­zer­berg­gra­ben kommt ober­halb der Kolo­nie Pet­zer­berg mit dem Neu­koll­mer Gra­ben zusam­men. Als Neu­koll­mer Gra­ben fließt er bis zum Stand­ort des eins­ti­gen Schwimm­ba­des, wo er auf den aus Rich­tung Leip­pe kom­men­den Schleich­gra­ben trifft. Den wei­te­ren Weg nimmt der Bach unter dem Namen “Schleich­gra­ben”.

Von die­sem Punkt aus dem Rinn­sal bzw. spä­te­rem Bach in Fließ­rich­tung gefolgt.

Die gestri­ch­le­te Linie in der unte­ren Kar­te zeigt die Zufahrt zur Wege­kreu­zung
mit dem Wan­der­we­ge­kreuz. (Quel­le)

Hin­ter dem Wald­weg ging es dann wei­ter bis zu den Gehöf­ten der Kolo­nie Pet­zer­berg.
Die Fließ­men­ge und ‑geschwin­dig­keit wur­de zwi­schen­zeit­lich durch einen von Men­schen­hand ange­leg­ten Stau ver­än­dert. Das Gewäs­ser wird dank­bar von ver­schie­de­nen Was­ser­vö­geln genutzt. Auf einer Kar­te ist es nicht ver­zeich­net. Wie mir der ehe­ma­li­ge Revier­förs­ter von Leip­pe-Tor­no, Herr Weiss, am 5. August 2021 bei einem über den Gar­ten­zaun geführ­tem Gespräch erzähl­te, hat­te er den Stau ange­legt. “Ich woll­te das als Lösch­was­ser nut­zen kön­nen”, so der fast 90 Jah­re alte rüs­ti­ge Mann.

Zwi­schen­zeit­lich ver­schwand das Was­ser in der Erde, um dann wie­der auf­zu­tau­chen und mun­ter weiterzufließen. 

Das Was­ser hat­te oft­mals eine rot­brau­ne Fär­bung und auch im Bach­bett hat­te sich die­ser Farb­ton fest­ge­setzt. Es han­delt sich ver­mut­lich um Aus­wa­schun­gen aus dem Boden, Pod­sol-Brau­ner­de bzw. Braunerde-Podsol.

Die­ser Boden­typ bil­det sich haupt­säch­lich auf san­di­gen Stand­or­ten unter Wald her­aus. Wobei er beson­ders in Gebie­ten zu fin­den ist, wo Baum­ar­ten mit schwer zer­setz­ba­rer Streu (z. B. Kie­fer) stehen.

Das hier mit Fotos doku­men­tier­te Gebiet liegt öst­lich vom FFH-Gebiet 123 des Lan­des Sach­sen “Feucht­ge­bie­te Leip­pe-Tor­no”. Cha­rak­te­ri­siert wird das FFH-Gebiet wie folgt:

Wald­rei­cher Kom­plex aus Still­ge­wäs­sern, Zwi­schen­moor­be­rei­chen, Moor- und Erlen-Eschen-Wäl­dern, arten­rei­chen Frischwie­sen, Borst­gras­ra­sen und Pfeifengras-Wiesen.” 

Kurz vor den Gehöf­ten auf dem Pet­zer­berg trifft der Pet­zer­berg­gra­ben mit dem aus dem FFH-Gebiet kom­men­den Neu­koll­mer Gra­ben zusam­men. Die­ser trans­por­tiert Was­ser aus dem Neu­koll­mer Moor ab. Die­ses Moor wird seit 1999 revi­ta­li­siert. 2023 soll das Pro­jekt abge­schlos­sen sein. Sein Inhalt:

Wie­der­her­stel­lung und Schaf­fung eines typi­schen Stau­moo­res in der Zeiß­hol­zer Hoch­flä­che nahe Hoyers­wer­da durch Sta­bi­li­sie­rung des Moor­was­ser­haus­hal­tes. Ziel ist die Was­ser­hal­te­fä­hig­keit des devas­tier­ten Moor­kör­pers u. a. durch was­ser­bau­li­che sowie natur­schutz­fach­li­che Maß­nah­men zu erhö­hen und Moor­bil­dungs­in­itia­le zu schaf­fen. Erhalt vor­han­de­ner lebens­raum­ty­pi­scher Pflan­zen­ar­ten (u. a. Sumpf­porst (Rho­do­den­dron tomento­s­um)). (Quel­le)

Micha­el Dobisch, Lei­ter der Revier­dienst­stel­le Neu­kollm des Staats­be­trieb Sach­sen­forst schrieb dazu, dass das dama­li­ge Forst­amt Hoyers­wer­da gemein­sam mit dem NABU Wit­ti­chen­au ab 1999 die Flä­che des Neu­koll­mer Moo­res anstau­te und meh­re­re Sam­mel­be­cken schuf. “Bereits nach 2 bis 3 Jah­ren zeig­ten sich vie­le moor­ty­pi­sche Pflanzen.”

Um das The­ma “Schleich­gra­ben” abzu­run­den, müss­te der Neu­koll­mer Gra­ben vom Neu­koll­mer Moor bis zu die­sem Punkt noch erwan­dert und doku­men­tiert werden.

Das Was­ser des Neu­koll­mer Gra­bens trifft auf den Pet­zer­berg­gra­ben. Die Rot­fär­bung nimmt in der wei­te­ren Fließ­rich­tung zunächst ab.

Lei­der sind weder Infor­ma­tio­nen zur Geschich­te der Kolo­nie Pet­zer­berg zu fin­den gewe­sen noch zu den Namen der sie umge­ben­den Erhe­bun­gen — Pet­zer­berg und Kubitz­berg.
Das Was­ser des Neu­koll­mer Gra­bens fließt über das Grund­stück des Heid­schnu­cken­ho­fes von Hel­mut Schöps (Pet­zer­berg 6). Unweit davon befin­det sich am Kra­bat-Rad­weg ein Rast­platz. Das Was­ser fließt hin­ter der Stra­ße wei­ter durch Weideland.


Kolonie Petzerberg bis ehemaliges Schwimmbad Lauta

Vom Bach­lauf aus blickt man Rich­tung Osten auf den Kubitz­berg, Höhe 143,5 m ü. NN. 

Wei­ter geht es am Rand der Wei­den. Bis auf ein­mal die Über­res­te einer gemau­er­ten Kräu­ter­schne­cke und einer Infor­ma­ti­ons­ta­fel zu sehen sind. Sie gehö­ren zu einem Natur­lehr­pfad, der als ABM-Maß­nah­me (?) rund um das ehe­ma­li­ge Schwimm­bad Lau­ta ent­stand. Auch wenn es nicht so aus­sieht, der mit einer Plas­tik­tü­te ver­se­he­ne Abfall­be­häl­ter zeigt, dass der Lehr­pfad betreut wird.

Wenig spä­ter ist zu sehen, für wel­che Tie­re das Wei­de­land genutzt wird.

Das Was­ser fließt wie­der in rot­brau­ner Fär­bung dahin, zeit­wei­lig laut plät­schernd. Bis auf ein­mal ein wei­te­rer Bach — von links kom­mend — sein tief­schwar­zes Was­ser in den Neu­koll­mer Gra­ben abgibt und die­sen nun zum “Schleich­gra­ben” wer­den lässt. Das geschieht bei einer Gelän­de­hö­he von 126 m ü. NN und unweit des Stand­or­tes des bei sei­nem Bau “schöns­ten Schwimm­ba­des der Ober­lau­sitz”.
Es han­delt sich hier­bei um den Leip­pa­er Mühl­gra­ben — auf allen offi­zi­el­len Kar­ten aber als Schleich­gra­ben bezeichnet.

Wo sich einst Was­ser­be­cken befan­den — als Plansch­be­cken, für Nicht­schwim­mer und Schwim­mer sowie Turm­sprin­ger — hat die Natur alles zurück­er­obert. So könn­te es vor dem Bau des Schwimm­ba­des aus­ge­se­hen haben. Doch wel­che Far­be hat­te damals das Was­ser des Schleich­gra­bens, der hier über Jahr­zehn­te hin­weg den Namen Drechs­ler­gra­ben trug. Oder hieß er Drex­l­gra­ben? Benannt nach dem Tief­bau­un­ter­neh­men, das wäh­rend des Krie­ges Zwangs­ar­bei­ter im Lau­ta­werk ein­setz­te und auch am Schwimm­bad arbeitete?

In der Erin­ne­rung ist nichts von schwar­zem Was­ser, das aus dem Gra­ben über Vor­wärm­rin­nen in die Becken gelei­tet wur­de. Es war so sau­ber, wie Was­ser sein soll­te.
Zumin­dest hat­te man immer die­ses Gefühl — wenn es aus dem mit Koh­le­staub und ande­ren Staub­ar­ten (rot für Asche und Bau­xit, weiß für Ton­er­de) belas­te­ten Lau­ta­werk (spä­ter Lau­ta) bzw. Lau­busch in das im Grü­nen gele­ge­ne Sta­di­on zum Schwim­men ging.

Eine mög­li­che Ant­wort lie­fert Mir­ko Pink:

Im Ver­lauf des Schleich­gra­bens (ab Leip­pe) bis zu den frü­he­ren Rot­schlamm­hal­den hat­te das Was­ser Trink­qua­li­tät. Eben­so wie die Aus­wa­schun­gen aus den Hal­den färb­te das ein­ge­tra­ge­ne Eisen­oxid infol­ge der Gra­ben­ver­tie­fun­gen im Zusam­men­hang mit der Ein­füh­rung der Melio­ra­ti­on auf den Land­wirt­schafts­flä­chen zu DDR-Zei­ten das Was­ser und ließ den Bad­be­trieb nicht mehr zu.

Im Som­mer 1968 war ich in Tor­no in einem Lager für Arbeit und Erho­lung. Unse­re Unter­kunft für die zwei Wochen befand sich im dama­li­gen Kul­tur­haus Tor­no, heu­te Ver­eins­haus bzw. Haus der Begeg­nung.
Unse­re Auf­ga­be: Mit­wir­kung an den Melio­ra­ti­ons­ar­bei­ten auf den Acker­flä­chen zwi­schen Tor­no und Leip­pe. Wir säu­ber­ten Grä­ben und ver­brei­ter­ten die­se, damit das Was­ser abflie­ßen konn­te und nicht die Flä­chen ver­näss­te. Damit leg­ten wir — was uns als Jugend­li­chen nicht bewusst war — ver­mut­lich auch das Feucht­ge­biet bei Leip­pe teil­wei­se trocken.

Aber wie­so hat­te das Was­ser des “Drechs­ler­gra­bens” bzw. Schleich­gra­bens damals fast Trink­was­ser­qua­li­tät und war so klar und kühl, dass es uns als zusätz­li­che Bade­ge­le­gen­heit dien­te?
Eine Ant­wort dar­auf such­te ich am 5. August 2021 bei einer Wan­de­rung ent­lang des schon als “Schleich­gra­ben” bezeich­ne­ten Leip­pa­er Mühl­gra­bens zwi­schen Leip­pe und dem Zusam­men­fluss von Mühl­gra­ben und Neu­koll­mer Graben.

Der Leippaer Mühlgraben

Los ging es an der Brü­cke vor dem Grund­stück der ehe­ma­li­gen Revier­förs­te­rei Leip­pe. “Leip­pa­er Mühl­gra­ben” war auf einer Tafel zu lesen und das unter der Brü­cke zu sehen­de Was­ser hat­te eine Far­be, wie sie es zwi­schen Wie­sen hin­durch flie­ßen­des Naß haben sollte.

Der Mühl­gra­ben kommt aus der Zeiß­hol­zer Hoch­ebe­ne, durch­fließt Wald und Wie­sen, bis er in Leip­pe ankommt. Mit der mir eige­nen Pene­tranz kling­le ich ein­fach an den bei­den dort befind­li­chen Gehöf­ten. Am ehe­ma­li­gen Sitz des Revier­förs­ters kein Glück, aber unweit davon gelingt es mir — wie sich kurz dar­auf her­aus­stellt — den ehe­ma­li­gen Revier­förs­ter, Herrn Weiss, aus dem Haus und an den Gar­ten­zaun zu locken. In weni­gen Mona­ten wird er 90 Jah­re alt. Doch lei­der fehlt mir die Zeit, um von sei­nem Wis­sen aus der Zeit in Leip­pe seit Anfang der 1950er Jah­re zu pro­fi­tie­ren. Zudem hat­te ich ihn ja regel­recht über­fal­len. Aber sei­ne Hin­wei­se waren sehr aufschlußreich.

Ent­lang des Mühl­gra­bens geht es über Wei­den. Alles sieht gesund aus — der Bach, Flo­ra und Fau­na. Es ist ein Feucht­ge­biet. Abge­stor­be­ne Bäu­me und die für Feucht­ge­bie­te typi­sche Vege­ta­ti­on wei­sen u.a. dar­auf hin. Nach eini­gen Tagen stär­ke­ren Regens emp­fiehlt es sich nicht, hier unter­wegs zu sein. 

Etwas spä­ter — wie­der auf fes­tem Weg — ist der Rin­der­zucht­be­trieb von Frank Gro­ba aus Schwarz­kollm zu sehen, der die Wei­de­flä­chen zwi­schen Leip­pe, Tor­no und Schwarz­kollm bewirt­schaf­tet. Spä­ter konn­te ich mich bei dem Land­wirt bedan­ken — für das öko­lo­gisch sehr gute Erschei­nungs­bild der von ihm genutz­ten Flächen.

Eine Wan­der­hüt­te lädt zum Aus­ru­hen ein. Es muß die “Wan­der­hüt­te Schwarz­koll­mer Weg” sein. Sie ist Teil des oben schon beschrie­be­nen als Lehr­pfad beschrie­be­nen eigent­lich Wan­der­we­ges. Die ers­te Kar­te mit des­sen Ver­lauf stand bereits an der Schutz­hüt­te neben der Brü­cke über den Mühl­gra­ben. Nun ist sie aber bes­ser zu fotografieren.

Was­ser und Natur sind wei­ter­hin gesund. Dar­an ändert auch nichts eine kurz­zei­ti­ge Rot­fär­bung von Ers­te­rem. Wie mir Rin­der­züch­ter Gro­ba bestä­tig­te, han­delt es sich bei dem rot­brau­nen Was­ser um Zuflüs­se aus den Drä­na­gen der Melioration.

Schließ­lich bin ich wie­der am ehe­ma­li­gen Schwimm­bad und kann jetzt bes­ser ver­ste­hen, war­um es gera­de hier ange­legt wur­de. Bei­de Bäche muss­ten damals — Mit­te der 1920er Jah­re — mehr und damit auch kla­re­res Was­ser geführt haben. Zuwachs kam ste­tig aus dem Feucht­ge­biet zwi­schen Leip­pe und Tor­no. Hin­ter dem Zusam­men­fluss des Neu­koll­mer Gra­bens und des Leip­pa­er Mühl­gra­bens wur­de aus dem nun­meh­ri­gen Schleich­gra­ben ein Teil des Was­sers in die künst­lich ange­leg­ten drei Bade­tei­che abge­lei­tet. Einen zum Plan­schen für Kleinst­kin­der, einen für Nicht­schwim­mer und einen für Schwim­mer. Sie waren ent­spre­chend tief aus­ge­ho­ben und die Rän­der mit aus Zwei­gen und dicke­ren Ästen bestehen­den Faschi­nen befes­tigt wor­den. Der Boden der Tei­che bestand aus einer Kies­auf­la­ge über einer dicke­ren Torf­schicht, die bei einem Grund­was­ser­spie­gel von 1 m ein Aus­lau­fen der Tei­che ver­hin­der­te. Der Aus­bau des Schwimm­ba­des mit Beton­be­cken, Sprung­turm und mit Beton sta­bi­li­sier­ten Zuschau­er­tri­bü­nen erfolg­te — nach Aus­kunft von damals dar­an Betei­lig­ten — erst in den 1960er Jah­ren. Ledig­lich der soge­nann­te “Nichtschwimmer”(teich) blieb in der ursprüng­li­chen Form als Bade­teich erhal­ten und behielt sei­ne zwei­te Funk­ti­on, Klä­rung des für den Bade­be­trieb in allen Becken genutz­ten Was­sers vor sei­nem Ablau­fen in den Schleichgraben. 

Schwimm­bad Lau­ta­werk im Jahr 1934

Fort­set­zung

4 Kommentare

  1. Dan­ke für die inter­es­san­ten Bil­der und Bei­trä­ge. Der Schleich­gra­ben wäre auch für die Orts­grup­pe des NABU ein Objekt, mit wel­chem man sich wirk­lich mal beschäf­ti­gen soll­te. Zwi­schen Leip­pe und Tor­no gab es in den letz­ten Jah­ren auch immer einen künst­li­chen Stau­see, ver­ur­sacht durch eine Popu­la­ti­on von Bibern. Wir wer­den uns bei Ihnen mel­den, viel­leicht auch mal zu einem Erfah­rungs­aus­tausch. Noch­mals vie­len Dank. Mit freund­li­chen Grüßen
    Wil­fried Noack

    1. Freu­en wür­de ich mich, wenn Sie eine Ant­wort auf fol­gen­de Fra­ge fin­den könnten:

      War­um hat­te der Schleich­gra­ben über meh­re­re Jahr­zehn­te im Abschnitt von der Quel­le bei Leip­pe bis zur B 96 sau­be­res Was­ser, obwohl er in einem Moor­ge­biet ent­springt (sie­he die heu­ti­ge Far­be des Wassers)?

Schreibe einen Kommentar

error: Content is protected !!